Wer für Berlin nach einem Städtepass sucht, stößt schnell auf ein halbes Dutzend Namen. Anders als in Rom oder Paris konkurrieren dahinter aber kaum konkurrierende Anbieter: Die Berlin WelcomeCard in ihren vier Varianten und die Berlin CityTourCard stammen beide von der Berlin Tourismus & Kongress GmbH (visitBerlin), die auch den Museumspass Berlin verkauft. Nur der EasyCityPass Berlin kommt von einem privaten Anbieter. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht „welche Marke", sondern: Brauchst du eine Nahverkehrskarte mit Rabatten, eine Museumskarte ohne Fahrschein oder ein Rundum-Paket mit freien Eintritten?
Die Berlin-Pässe im Vergleich
| Pass |
Dauer |
Preis ab |
Eintritte |
Skip-the-Line |
Nahverkehr |
| Berlin WelcomeCard AB |
48 oder 72 Std., 4, 5, 6 Tage |
28,50 € |
keine, 25 bis 50 % Rabatt bei über 170 Partnern |
nein |
ja, Zone AB |
| Berlin WelcomeCard ABC |
72 Std., 4, 5, 6 Tage |
45,50 € |
keine, Rabatte wie AB |
nein |
ja, inklusive BER und Potsdam |
| WelcomeCard + Museumsinsel |
72 Std., Zone AB oder ABC |
62 € |
sechs Häuser auf der Museumsinsel |
nein |
ja |
| WelcomeCard all inclusive |
48 oder 72 Std., 4, 5, 6 Tage |
99 € |
über 25 Highlights plus ein Tag Hop-on-Hop-off |
nicht ausgewiesen |
ja, immer ABC |
| Berlin CityTourCard |
48 oder 72 Std., 4, 5, 6 Tage |
beim Anbieter |
keine, bis 40 % Rabatt |
nein |
ja, Zone AB oder ABC |
| Museumspass Berlin |
3 aufeinanderfolgende Tage |
beim Anbieter |
über 30 Museen und Ausstellungen |
nein |
nein |
| EasyCityPass Berlin |
48 oder 72 Std., 4, 5, 6 Tage |
beim Anbieter |
keine, bis 50 % Rabatt bei rund 80 Partnern |
nein |
ja, Zone AB oder ABC |
Die Beträge sind Erwachsenenpreise, sie hängen von Laufzeit und Tarifzone ab. Für CityTourCard, Museumspass und EasyCityPass nennen wir keinen Preis: Sie laufen nicht über unsere Partner, ihre aktuellen Beträge stehen beim jeweiligen Anbieter.
Zwei Zeilen der Tabelle wiegen schwerer als alles andere. Fünf der sieben Pässe enthalten überhaupt keine freien Eintritte, sondern nur Ermäßigungen, und der einzige reine Museumspass enthält keinen Fahrschein. Wer das übersieht, kauft an seinem Programm vorbei.
Berlin WelcomeCard: Nahverkehr plus Rabattnetz
Die WelcomeCard ist der offizielle Städtepass Berlins und im Kern ein Fahrschein. Enthalten ist die freie Fahrt mit U-Bahn, S-Bahn, Bus, Tram und den BVG-Fähren in der gewählten Tarifzone, für die gesamte Laufzeit und beliebig oft. Dazu kommt das größte Rabattnetz der Stadt: 25 bis 50 % bei über 170 Partnern, von Museen und Aussichtsplattformen über Stadtführungen und Schifffahrten bis zu Restaurants.
Für die Planung wichtig sind drei Details:
- Laufzeit: Die 48- und 72-Stunden-Karten laufen ab der Aktivierung stundengenau durch. Die 4-, 5- und 6-Tage-Karten gelten dagegen vom ersten Nutzungstag bis 24 Uhr des letzten Tages, ein spät begonnener Anreisetag kostet dich also einen ganzen Tag.
- Kinder: Bis zu drei Kinder von 6 bis 14 Jahren fahren in Begleitung eines Erwachsenen kostenlos mit, Kinder unter 6 Jahren ohnehin. Für Familien ist das der stärkste Posten der Karte.
- Einlösung: Online gekaufte Tickets aktivieren zum gewählten Zeitpunkt und brauchen keine Entwertung am Automaten.
Zone AB oder ABC: die teuerste Fehlentscheidung
Bei jeder Variante außer der all inclusive wählst du die Tarifzone selbst, und genau hier wird am häufigsten falsch gekauft.
- Zone AB umfasst das gesamte Berliner Stadtgebiet. Brandenburger Tor, Museumsinsel, Fernsehturm, East Side Gallery, Charlottenburg: alles liegt darin.
- Zone ABC erweitert den Geltungsbereich auf das Umland. Dazu zählen der Flughafen BER, Potsdam mit Schloss Sanssouci und Oranienburg mit der Gedenkstätte Sachsenhausen.
Die Rechnung ist simpel: Fährst du mit S-Bahn oder Regionalzug vom BER in die Stadt und wieder zurück oder planst du einen Tag in Potsdam, nimm ABC. Kommst du mit dem Fernzug am Hauptbahnhof an und bleibst in der Stadt, ist AB die richtige Wahl. Wie sich das Netz sortiert, steht in unserem Überblick zum Nahverkehr in Berlin.
WelcomeCard + Museumsinsel: die Kultur-Variante
Diese Variante gilt 72 Stunden und ist die einzige, die den Nahverkehr mit freiem Museumseintritt auf der Museumsinsel verbindet. Enthalten sind sechs Häuser: Alte Nationalgalerie, Altes Museum, Bode-Museum, Neues Museum, PETRI Berlin und Pergamonmuseum. Das Panorama.
Zwei Punkte solltest du vor dem Kauf kennen. Erstens ist das Pergamonmuseum selbst geschlossen, es wird grundinstandgesetzt, die Staatlichen Museen nennen eine Wiedereröffnung ab 2027. Im Pass steckt der Ersatzbau mit dem Panorama, nicht der Pergamonaltar. Zweitens sind die Staatlichen Museen montags geschlossen, einzelne Häuser zusätzlich dienstags. Bei 72 Stunden Laufzeit kann das ein Drittel deiner Zeit entwerten, wenn du am falschen Tag aktivierst. Was in den Häusern zu sehen ist, steht in der Übersicht der Museen in Berlin.
WelcomeCard all inclusive: das Rundum-Paket
Die teuerste Variante ist die einzige, die wie ein klassischer Attraktionspass funktioniert. Sie enthält den freien Eintritt bei über 25 Highlights, darunter der Fernsehturm Berlin, das DDR Museum, Rundgänge von Original Berlin Walks und Berlin City Circle Sightseeing, dazu einen Tag Hop-on-Hop-off-Bus. Der Nahverkehr ist hier immer im Tarifbereich ABC enthalten, Flughafen und Potsdam also automatisch inklusive.
Es gibt sie für 48 oder 72 Stunden sowie 4, 5 und 6 Tage, Kinder von 3 bis 14 Jahren zahlen deutlich weniger. Ob an einzelnen Attraktionen bevorzugter Einlass gilt, weist der Herausgeber nicht aus, gesichert sind der freie Eintritt und der Bustag. Verkauft wird die Karte auch über Turbopass, das ist ein Vertriebsweg und kein eigener Berlin-Pass.
Berlin CityTourCard: die schlankere Schwester
Die CityTourCard sieht aus wie ein Konkurrenzprodukt, wird laut Impressum aber ebenfalls von visitBerlin verantwortet. Sie bietet dasselbe Grundprinzip: freie Fahrt mit U-Bahn, S-Bahn, Bus und Tram in Zone AB oder ABC, dazu Ermäßigungen von bis zu 40 % unter anderem für Fernsehturm, Madame Tussauds, Big Bus und das Deutsche Spionagemuseum. Freie Eintritte gibt es keine.
Der Unterschied zur WelcomeCard liegt im Rabattnetz: weniger Partner, geringere Nachlässe, dafür ein etwas günstigerer Einstieg. Eine vollständige Preisliste veröffentlicht der Anbieter nicht, den aktuellen Betrag siehst du erst im Kaufvorgang. Für wen: Reisende, die vor allem den Fahrschein wollen und die Rabatte als Zugabe betrachten.
Museumspass Berlin: drei Tage Museen, kein Fahrschein
Der Museumspass gilt drei aufeinanderfolgende Tage und umfasst den freien Eintritt in über 30 Museen und Ausstellungen. Neben den Häusern der Museumsinsel sind das unter anderem die Gemäldegalerie, das Jüdische Museum und das Museum für Naturkunde. Es gibt ihn auch ermäßigt.
Er ist damit der einzige Pass im Feld, der auf Breite statt auf Nahverkehr setzt, und die klare Empfehlung für alle, die drei Tage lang durch Sammlungen ziehen wollen. Kalkuliere die Fahrscheine getrennt ein: Ein Fahrschein ist nicht enthalten, und Berlins Museen liegen weit auseinander.
EasyCityPass Berlin: die private Alternative
Der EasyCityPass der CoConsult GmbH funktioniert wie die WelcomeCard, nur mit kleinerem Netz. Er kombiniert einen Nahverkehrsfahrschein für Zone AB oder ABC mit Rabatten von bis zu 50 % bei rund 80 Partnern, Laufzeiten von 48 Stunden bis 6 Tage. Freie Eintritte sind nicht enthalten.
Sein bestes Argument ist die Mitnahmeregel: Ein Erwachsener darf bis zu drei Kinder von 6 bis 14 Jahren, Gepäck, einen Kinderwagen und einen Hund mitnehmen. Wer mit Hund reist, findet hier die klarste Regelung. Einen Preis weist die Produktseite nicht aus, er erscheint erst im Ticketshop.
Was es in Berlin nicht gibt
Ältere Empfehlungen im Netz führen für Berlin einen Go-City-Pass. Den gibt es nicht mehr: Go City listet Berlin nicht in seiner Destinationsliste, in Europa stehen dort Amsterdam, Barcelona, Dublin, Göteborg, London, Madrid, Prag und Stockholm. Und Turbopass verkauft für Berlin kein eigenes Produkt, sondern die offizielle WelcomeCard all inclusive. Wenn ein Ratgeber dir diese beiden Namen als eigenständige Berlin-Pässe anbietet, ist er veraltet.
Lohnt sich das? So rechnest du
Alle Berlin-Pässe außer dem Museumspass sind zuerst Fahrscheine. Die Rechnung läuft deshalb in zwei Schritten.
- Schritt eins, der Nahverkehr: Stelle den Passpreis dem normalen Tages- oder Mehrtagesticket der BVG für dieselbe Zone und dieselbe Dauer gegenüber. Die Differenz ist der Betrag, den die Rabatte wieder hereinholen müssen. Berlin ist weitläufig, wer täglich mehrfach U- und S-Bahn nutzt, kommt in diesem Schritt meist auf null.
- Schritt zwei, die Ermäßigungen: Zähle die kostenpflichtigen Ziele, die du wirklich ansteuerst, und prüfe, ob sie in der Partnerliste stehen. Ein Nachlass von 25 bis 50 % trägt erst ab drei bis vier teuren Zielen spürbar.
Bei den beiden Varianten mit Freieintritten gilt eine andere Schwelle. Bei der Museumsinsel-Variante entscheidet die Zahl der Häuser: Rechne die Einzeltickets der Museen zusammen, die du in den 72 Stunden wirklich schaffst, und stelle die Summe dem Aufpreis gegenüber der Basiskarte gegenüber. Unter drei Häusern geht die Rechnung selten auf. Die all inclusive rechnet sich nur bei dichtem Programm: Fernsehturm, ein bis zwei Museen, ein Rundgang und der Bustag müssen in dieselben zwei oder drei Tage passen. Liegen deine Wunschziele einzeln im Schnitt darunter oder planst du gemächlich, zahlst du für Leistungen, die du nicht abrufst.
Rechne dabei mit realistischen Tagen. Drei große Museen plus Fernsehturm plus Bustour an einem Tag geht sich in Berlin nicht aus.
Welcher Pass für wen?
- Kurztrip, viel unterwegs, wenige Eintritte: Berlin WelcomeCard in Zone AB, oder die CityTourCard, wenn dir der Fahrschein reicht.
- Anreise über den BER oder ein Tag in Potsdam: dieselbe Karte in Zone ABC. Stelle den Aufpreis den Einzelfahrten ins Umland gegenüber, das entscheidet die Frage meist sofort.
- Drei Tage Kultur auf der Museumsinsel: WelcomeCard + Museumsinsel, sofern du nicht an einem Montag startest.
- Museumsmarathon quer durch die Stadt: Museumspass Berlin, dazu ein separates Nahverkehrsticket.
- Dichtes Sightseeing-Programm mit Fernsehturm, Bustour und Museen: WelcomeCard all inclusive.
- Familie oder Reise mit Hund: WelcomeCard oder EasyCityPass, beide nehmen bis zu drei Kinder von 6 bis 14 Jahren mit, der EasyCityPass zusätzlich den Hund.
- Kein Pass lohnt sich, wenn du zentral in Mitte wohnst, die Wege zu Fuß machst und dein Programm aus Brandenburger Tor, East Side Gallery, Reichstagsgebäude und Parks besteht. Diese Ziele kosten keinen Eintritt, und bei zwei Fahrten am Tag holt kein Pass seinen Preis herein.
Wichtige Abgrenzungen
- Rabatt ist kein Eintritt. Bei WelcomeCard (Basis), CityTourCard und EasyCityPass zahlst du an jeder Kasse weiter, nur weniger. Wer freie Eintritte erwartet, braucht die Museumsinsel- oder die all-inclusive-Variante.
- Der Museumspass ersetzt kein Ticket im Nahverkehr. Umgekehrt ersetzt keine WelcomeCard-Variante den Museumspass, ihre Freieintritte beschränken sich auf die Museumsinsel beziehungsweise die Highlight-Liste.
- Das Pergamonmuseum bleibt geschlossen. Kein Pass verschafft dir Zugang, bis das Haus ab 2027 wieder öffnet.
- Montags stehen die Staatlichen Museen still. Aktiviere eine 72-Stunden-Karte nicht am Sonntagabend, wenn der Montag im Fenster liegt.
- Zeitfenster buchst du selbst. Ein Pass ist kein Termin. Für stark nachgefragte Ziele reservierst du weiterhin online, unabhängig davon, welche Karte du in der Tasche hast.
Welche Ziele überhaupt auf deiner Liste stehen sollten, findest du in unserer Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Berlin.