Als zweitältester in ganz Frankreich nimmt der botanische Garten in Straßburg schon allein wegen dieser Tatsache ein Alleinstellungsmerkmal ein. Auf einem Areal von dreieinhalb Hektar ist er gesäumt von Gebäuden der Loiuis-Pasteur-Universität, der er auch zu Forschungszwecken dient. Allerdings ist er für die Öffentlichkeit zugänglich – und ist für die Einheimischen wie für Straßburg-Besucher ein Kleinod sondergleichen.

Ein kleines Paradies mitten in der Stadt

Ungefähr einen Kilometer vom Münster entfernt und auch nur rund zwei Kilometer vom Rhein, liegt der botanische Garten von Straßburg wahrlich im Herzen der Stadt, genauer im sogenannten Kaiserviertel. Der Eingang befindet sich auf der Goethestraße und ist ganz einfach mit den Buslinien 2, 12 und 32 erreichbar (Haltestelle Arnold-Platz). Die Universitätsbauten rundherum stammen fast alle aus der Wilhelminischen Zeit, außer dem neuen Fakultätsgebäude des botanischen Instituts, das relativ neu ist – es stammt aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Garten selbst gibt es zahlreiche Gewächshäuser und Treibhäuser, eines davon stammt als einzig erhaltenes noch aus dem 19. Jahrhundert. Es gibt hier ein außerdem ein Arboretum, viele exotische Pflanzen und sehenswerte Bäume, zum Beispiel einen Riesenmammutbaum oder einen Pekannussbaum. Im zweistöckigen Tropenhaus können Besucherinnen und Besucher die Flora ferner Länder entdecken.

Lange Tradition

Bereits im Jahr 1691 wurde der botanische Garten gegründet, damals allerdings an einem anderen Ort. Seine heutige Gestalt und seinen heutigen Platz erhielt er in den 1880er-Jahren. An der Stelle der ehemaligen Stadtmauer wurde er im Zuge der Errichtung der Universität als zweites botanisches Zentrum nach Berlin angelegt. Das einzige aus dieser Zeit erhaltene Gewächshaus wird „Serre de Bary“ genannt, nach jenem Professor, der den botanischen Garten schuf. Es wurde 1993 unter Denkmalschutz gestellt. Hier können Interessierte tropische Pflanzen aus Asien bewundern – und einen Teich mit sieben Metern Durchmesser. Die Amazonas Riesenseerose wird hier erfolgreich gezüchtet – und entzückt die Besucher des botanischen Gartens immer wieder.

Flanieren auf verschlungenen Wegen

Die hohen Bäume, die im Sommer viel Schatten spenden, die abwechslungsreiche Pflanzenwelt und viele Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Die Parkwege führen Spaziergänger durch den Garten, vorbei an einem kleinen, von Schilf gesäumten See. Zu jeder Jahreszeit ist ein Spaziergang durch den botanischen Garten ein Erlebnis, aber besonders im Frühling erwartet die Besucher eine schier unglaubliche Blütenpracht. Mehr als 15.000 verschiedene Pflanzen, die zu 6.000 unterschiedlichen Gattungen gehören, wachsen hier – im Freien oder in den Gewächshäusern. Im Herbst leuchten die Farben der sich verfärbenden Blätter und im Sommer kann man unter den großen Baumkronen Schatten finden. Ein Besuch lohnt sich also immer.