Fuerteventura

Fuerteventura

Fuerteventura

Fuerteventura

Reiseführer 2020

Die Insel Fuerteventura

Wer auf den Kanarischen Insel sandige Strände sucht und nicht sonderlich wählerisch ist, ob diese nun tiefschwarz oder perlweiß sind, der ist auf Fuerteventura genau richtig. Dort sind die Sonnenanbeter zu Hause, und sie kommen ausnahmslos im Urlaub auf ihre Kosten, weil diese Insel quasi vor der afrikanischen Haustür liegt. Immer wieder kommt dort ein heißer Gruß aus der nahen Sahara vorbei.

Doch auch „Fuerte“ ist keineswegs flach wie eine Flunder. Um sich einen Rundumblick zu verschaffen, sollte man sich zum Betancuria-Massiv mit dem Gipfel der Montana Tegú bemühen. Die Aussicht vom Mirador de Morro Velosa ist einzigartig. Lange Strandwanderungen und neuerdings auch Touren auf tollen Radwegen sind auf Fuerteventura der Hit.

Fuerteventura – die „Sonnenkönigin“

Die Frage ist immer die gleiche: Was benötigt der Urlauber für einen unbeschwerten Badeurlaub? Die Antwort gibt es auf der kanarischen Insel Fuerteventura: Das blaue Meer, ein unendlich langer Sandstrand und natürlich Sonne satt! Von „Fuerte“ heißt es, sie sei die „Geliebte der Sahara“. Das hat zweifellos seine Gründe, denn die zweitgrößte Insel des Archipels liegt gerade einmal 95 Kilometer vor der afrikanischen Küste. Hin und wieder versteckt sich auf Fuerteventura die Sonne hinter einem rötlich-grauen Schleier. Dann sprechen die Einheimischen vom „Calima“ und wissen, dass der heiße Sturm ein vorübergehendes Phänomen ist und die Nadelstichmassage am anderen Tag der Vergangenheit angehört. Fuerteventura ist dreierlei: Steppe, Wüste und Strand.

Der unwillige Geist eines Philosophen

Diese Insel ist zwar kein grünes Paradies wie so manch‘ andere des Archipels an der Schwelle zu Afrika. Sie zeichnet sich eher durch ihren spröden Charme aus, doch wer mit offenen Augen am Strand wandert, die hübschen kleinen Dörfer genießt oder auf den schönen neuen Radwegen unterwegs ist, der sieht diese Insel mit ganz anderen Augen als einstmals der spanische Philosoph Miguel de Unamuno. Der bezeichnete Fuerteventura um 1900 herum als „nacktes, karges Land aus nichts als Knochen…“ Nun weiß man, dass der Baske ein unwilliger und unbeugsamer Geist war und dass ihn zu jenen Zeiten der Militär-Diktator Primo de Rivera wegen eines Zeitungsartikels nach Fuerteventura verbannt hatte.

Esel und Ochsen bevölkerten die Straßen

Miguel de Unamuno war bereits im Greisenalter, als er nach Fuerteventura verbannt wurde. Er erlebte die Insel als einsames Eiland, fernab jeglicher Zivilisation. Nur um die 7000 Menschen waren hier zu Hause, und die Hauptstadt Puerto del Rosario hieß damals Puerto de Cabras – der Hafen der Ziegen.

Allein Esel, Ochsen, Maultiere und Dromedare bevölkerten die Straßen, auf denen ansonsten nur Wasserträger unterwegs waren, die die Häuser des kleinen Ortes vom Brunnen mit kühlem Nass versorgten. Am Fuße der Montana Quemada hat man Unamuno ein Denkmal gesetzt. Heute fahren die meisten Touristen an dieser schmalen Statue achtlos vorbei. Unamuno gelang im übrigen die Flucht und verbrachte seine letzten Lebensjahre im Exil in Paris.

Auf dem Rücken eines Dromedars über den Strand

Aus dem „Ziegenhafen“ von einst wurde im 20. Jahrhundert eine pulsierende touristische Hochburg – aber Dromedare gibt es auf Fuerteventura noch immer. Sie wurden früher als Lasttiere auf den kargen Feldern eingesetzt und zogen die hölzernen Pflüge. Die Tiere aus Afrika waren auf der Insel auch deshalb sehr beliebt, weil dort der vulkanische Boden häufig weich ist und weil die Dromedare als Schwielensohler auf den Feldern keine Probleme hatten. Doch heute sieht man die „Wüstenschiffe“ eigentlich nur dort, wo sie bei Exkursionen mit Urlaubern unterwegs sind. Ritte über den Strand von La Lajita sind ein wackliges und etwas abenteuerliches Vergnügen.

Auf „Fuerte“ schmeckt die Luft nach Salz

Nicht nur sensible Gemüter spüren es sehr schnell nach ihrem Eintreffen auf Fuerteventura: Hier schmeckt die Luft nach Salz, und wenn der heiße Wind an der Frisur zerrt, dann gibt es keinen Zweifel: Man ist auf einer ungewöhnlichen Insel angekommen. Man sollte sich aber nicht vom ersten Blick trügen lassen, denn diese Insel der Kanaren ist keineswegs lebensfeindlich oder gar ungastlich.

Zwar gibt es in einigen Regionen so gut wie nichts, wo der Blick bis zum Horizont einen Haltepunkt findet, doch auch die Eintönigkeit findet hier ihre Endstation: Überall dort, wo sich nach der Leere ein paar grüne Palmen erheben und wo sich in den kleinen Dörfern angenehme Hotels und einladende Restaurants finden. Hier hat der Mensch der drohenden Apokalypse Einhalt geboten und dem Auge die Farbe „grün“ geschenkt.

Am Morgen sind die Dünen wie frisch geföhnt

Fuerteventura ist aber in erster Linie eine Insel der Strandläufer. Sie ist die „Sonnenkönigin“ des Archipels vor dem afrikanischen Kontinent. Bei insgesamt fünfzig Kilometer langen Stränden ist es kein Wunder, dass sich viele Sonnenanbeter diese Insel zu einem ihrer Lieblingsziele erkoren haben.

Fein ist dort der Sand. Manchmal ist er pechschwarz, wie die Lavaströme aus den Vulkanen. Und dann präsentiert er sich goldgelb. Wenn mehr als nur eine leichte Brise weht, schauen viele Strandabschnitte am Morgen so aus, als hätten nachts viele fleißige Helfer den Sand geharkt. Und hinter den frisch geföhnten Dünen lockt das Meer mit einem glasklaren Wasser. Auch Familien mit ihren Kindern finden hier ihr Bade-El-Dorado, denn der Strand fällt fast überall seicht zum Meer hin ab.

Rätsel um die Bedeutung des Inselnamens

Über die Bedeutung des Namens „Fuerteventura“ gibt es zahlreiche Erklärungsversuche. Tatsache ist, dass „Fuerte“ in der spanischen Sprache so viel bedeutet wie „stark“. Lange Zeit hielt sich unter den Sprachwissenschaftlern die These, dass allein der starke Wind auf der Insel eine Erklärung sein könnte. Auf alten Seekarten aus dem 14. Jahrhundert war aber von Forte Ventura die Rede. Einige Forscher haben die Auffassung verbreitet, dass die Guanschen ihrer Heimat diesen Namen verpassten. Endgültige Klarheit gibt es aber über die Herkunft von Fuerteventura bis heute nicht.

Der großartige Blick in den nächtlichen Himmel

Heute reisen nicht nur Sonnenanbeter nach Fuerteventura sondern auch Sternegucker. Dazu benötigt man nicht, wie auf dem Roque de los Muchachos auf La Palma, riesige Observatorien. Auf dieser Insel begnügt man sich mit einer schlichten Hütte. Sie steht am Aussichtspunkt Morro Velosa unweit der Stadt Betancuria und eröffnet vom Berg Tegú aus einen hervorragenden Blick in den nächtlichen Himmel. Die UNESCO hat diesen Ort sogar als „Lichtschutzgebiet“ ausgezeichnet.

Unter den jährlich etwa zwei Millionen Touristen, die auf dem Airport ankommen, befinden sich immer wieder Hobby-Astronomen, die es sich nicht nehmen lassen, um 28 Grad nördlich des Äquators nach den Sternen Ausschau zu halten. Aber auch einige Hotelmanager haben inzwischen auf den Dächern ihrer Häuser Teleskope installieren lassen oder sie bieten ihren Gästen nächtliche Exkursionen an.

Cueva del Llano – ein Blick in die Unterwelt

Neben dem Blick zu den Sternen wirbt Fuerteventura aber auch mit Exkursionen in die Unterwelt. Die Cueva del Llano ist eine durch einen Lavastrom geschaffene Höhle in der Nähe des Ortes Lajares. Dass sie gleichermaßen geschätzt wird von Geologen und Ökologen wusste man auf der Insel schon immer, doch einer touristischen Nutzung stand über einen langen Zeitraum das spanische Militär im Wege. Denn die Höhle wurde als Lager für Sprengstoffe entfremdet.

Die Lavaröhre hat eine Länge von rund 650 Metern und wurde offenbar schon vor vielen hundert Jahren besiedelt, denn Archäologen fanden hier Spuren der Majoreros, die weit vor Christi Geburt dort lebten, eine eigene Kultur entwickelten und erst unter der Herrschaft der Krone von Kastilien ausgelöscht wurden.

Die Felsenjungfrau im „Tal der Palmen“

Zu den interessantes Zielen eines Ausflugs von den Stränden Fuerteventuras ins Lndesinnere zählt das Naturerlebnis im Barranco de la Pena. Das „Tal der Palmen“ ist das wasserreichste auf der ansonsten eher trockenen Insel. Hier haben die Bauern in mühsamer Arbeit Terrassen angelegt, auf denen nun Kartoffeln und zahlreiche Gemüsesorten wachsen.

Ein kleiner Bach ist der Spender allen Lebens. Eine schöne Wanderung berührt den kleinen Ort Vega de Rio Palmas mit der Felsenjungfrau in der Wallfahrtskirche Nuestra Senora de la Pena. An jedem dritten Wochenende im September findet hier eine Prozession statt, bei der die Statue der Jungfrau von der Kirche zu einer Kapelle getragen wird.

Bei Strandwanderungen vergisst man Zeit und Raum

Über das Klischee überfüllter Strände kann man auf Fuerteventura nur milde lächeln. Wer auf dieser kanarischen Insel die Einsamkeit sucht, der findet sie zwischen den hoch aufragenden Dünen und dem Atlantischen Ozean. Manche Strandabschnitte sind zwar nur über holprige Wege zu erreichen, doch es lohnt sich fast jeder Abstecher von den Hauptstraßen.

Das Meer wird ganzjährig niemals kälter als 17 Grad, und wer über die weitläufige Playa de Corrajejo wandert, vergisst Zeit und Raum. Dies ist nicht die Welt des Rummels sondern die der Romantiker. Vor allem im Süden Fuerteventuras wird man nach einem bewegten Nachtleben vergeblich suchen. Die etwas lebhafteren Orte des Tourismus befinden sich ausnahmslos in der Nähe des Airports nördlich der Hauptstadt Puerto del Rosario.

Jean de Bethencourt – Herrscher über die Kanaren

Als schönster Ort der Insel wird immer wieder Betancuria gepriesen. Er befindet sich am geographischen Mittelpunkt Fuerteventuras und trägt den Namen des normannischen Eroberers Jean de Bethencourt, der diesen Ort 1405 gründete. Der französische Adelige war durch den kastilischen König Heinrich III. zum Herrscher über die Kanarischen Inseln erklärt worden. Die mächtige Kathedrale Santa Maria in Betancuria wurde mehrfach zerstört – unter anderem durch Piraten – aber immer wieder aufgebaut.

Heute präsentiert sie sich im normannisch-gotischen Stil und verfügt über eine unterirdische Schlucht, die das Gotteshaus mit einer Schlucht verbindet. Im Laufe der Zeit verließen viele Einwohner den Ort, der heute eine Art Museum unter freiem Himmel ist. In diesem zentralen Bergland der Insel fallen häufiger mal Niederschläge.

Die größte Windsurfer-Schule der Welt

Die besten Surfer der Welt geben sich vor Fuerteventura immer mal wieder ein Stelldichein. Dies ist ein Hotspot für diese Art von Wassersport, denn der ständig herrschende Wind beschert den Surfern ausgezeichnete Bedingungen. Das gilt insbesondere für Sotavento an der Südküste, wo sich auch Kitesurfer einfinden. An der Playa Barca, vor dem „Hotel Sol Gorrones“, eröffnete im Jahr 1984 der Schweizer René Egli eine Windsurfschule. Er startete mit zwanzig Brettern und betreibt heute die weltweit größte Surfschule. Ausgesprochen beliebt als Surf-Reviere sind auch die Abschnitte an der Flag Beach und an der Glass Beach im Norden bei Corralecho, da dort der Wind fast immer „sideonshore“ weht.

Cofete – wo alle Straßen auf „Fuerte“ enden

Einer der extremsten Rückzugsorte auf Fuerteventura liegt an der windigen Südwestspitze. In Cofete gibt es neben dem Donnern der Wellen und dem Heulen des Windes nur viele Ziegen und exakt fünfzehn Bewohner. Es gibt keine Shops und nur ein kleines Restaurants. Hier sind die wenigen Menschen, die sich für ein Leben in dieser Abgeschiedenheit entschieden haben, mit sich und dem Meer allein.

Es sei denn, es verirrt sich tatsächlich mal ein Urlauber in diese Gegend. Dort enden auch alle Navi-Verbindungen, und seit dem Jahr 1960 findet man Cofete auf keiner offiziellen Landkarte. Dennoch hat der Ort vor einiger Zeit ein paar Straßenlaternen bekommen, worüber sich die Einheimischen sehr wunderten. Auch dies alles macht die Magie dieses ungewöhnlichen Eilands aus.

Am Ende der Welt – Cofete und die Einsamkeit

An den hölzernen Tischen des Restaurants von Cofete löffeln ein paar Bewohner an ihrer Fischsuppe oder studieren die Zettel am Tresen mit den Sprüchen von Urlaubern, die es bis hierher geschafft haben. Der etwas zerfledderten Speisekarte ist zu entnehmen, dass es dort auch Ziegenfleisch gibt. Ein paar Meter weiter, am Strand, werden hin und wieder Schildkröten aus der Aufzuchtstation von Morro Jable in die Freiheit entlassen.

Wer mit den wenigen Bewohnern dieses einsamen Dorfes ins Gespräch kommt, der gewinnt den Eindruck, dass sich hier alle wohlfühlen. Vielleicht auch deshalb, weil sie davon überzeugt sind, in einem Ort zu leben, der so ist, wie andere Orte gern sein würden: Voller Magie und urbaner Romantik.