Gran Canaria

Gran Canaria – die weißen Strände von Maspalomas

Gran Canaria ist so etwas wie die Königin der Kanaren und wohl auch spektakulär in jeder Beziehung. Mit großen Hotelanlagen, die jedermanns Geschmack erfüllen, mit einer ausgezeichneten Infrastruktur und vor allem mit den schneeweißen Stränden von Maspalomas.

Hier geht es zuweilen etwas lauter und turbulenter zu als auf einigen Nachbarinseln, doch wer „ja“ zum Leben sagt, der ist hier genau richtig. Und ein paar stille Plätzchen gibt es abseits des Touristen-Booms ebenfalls.

 

Ein Juwel im Meer und Dünen

Seit jeher ist Gran Canaria ein bevorzugtes Ziel von Urlaubern, die sich unter der Sonne des Südens eine Auszeit gönnen. Es kamen im Laufe der Zeit gekrönte und ungekrönte Häupter, Künstler, Industrielle oder ganz einfach Menschen wie du und ich. Sie alle ließen für einige Zeit genüsslich auf Gran Canaria die Seele baumeln, und einer von denen, die sich in die große Insel vor der afrikanischen Haustür verliebten, war der Pianist und Dirigent Justus Frantz.

Auf dem Monte León bei Maspalomas erwarb er eine Finca mit einem blühenden Garten, mit Obstbäumen und Weinreben. Frantz war ein begeisterter Werber für die landschaftlichen Schönheiten Gran Canarias und überzeugte damit eines Tages auch den deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Der war dort sein Gast.

Die „klingende Stille“ abseits des Tourismus

„Dies ist eine Landschaft wie die Orgelmusik von Bach. Klar strukturiert und ohne jegliche Schnörkel“. Der Musiker aus Deutschland konnte der Stille dieser Insel einiges abgewinnen. Er empfand sie als „klingende Stille“ und dachte dabei kaum an die Atmosphäre, die den Touristen-Hochburgen auf diesem Eiland zu eigen ist.

Justus Frantz fand sein Paradies, das er „Casa de los musicos“ nannte, im Hinterland von Maspalomas. Dort, wo es ein paar grüne Hügel gibt, wo aus der Ferne der Monte León grüßt, wo Esel, Ziegen und Hühner um einen Teich herum spazieren und wo es nach den Blüten von Orangen und Mangos duftet.

Die Bergdörfer – der „andere“ Teil der Insel

Wer Gran Canaria mit allen Sinnen genießen möchte, der muss die Pfade des Kommerz und die Ströme des Tourismus verlassen. Und er wird im grünen Innern der Insel eine Natur finden, die einfach nur stumm macht. Selbst begnadete Stubenhocker lassen sich von dieser Landschaft Gran Canarias faszinieren.

Wenn sie schließlich über die zahllosen Serpentinen nach San Bartolomé de Tirajana, dem Verwaltungszentrum des südlichen Inselteils, fahren und auf dem Platz vor der Kirche parken, dann spüren sie den Flair des „anderen“ Teils dieser Insel. Häufig schauen die einsamen Bergdörfer Gran Canarias so aus, als seien sie von allen Einwohnern verlassen.

Ein Eindruck, der täuscht, denn hinter den grauen Mauern macht das Leben wohl nur mal eine kurze Siesta, und wer in einem der kleinen Läden frische Mandeln erwirbt oder auch eine köstliche Süßspeise namens „Bienmesabe“, der wird mit den Dorfbewohnern sehr schnell ins Gespräch kommen.

Über Schotterwege zu den Gipfeln der Berge

Allein der Küstenstreifen des Südens ist auf Gran Canaria fest in touristischer Hand. Mit Hotelpalästen aller Kategorien, mit zahlreichen Bettenburgen – aber auch mit einer ausgezeichneten Infrastruktur. Hier pulsiert das Leben und ist damit so ganz anders als das in den einsamen Dörfern im Insel-Innern.

Im Westen wird Gran Canaria von Bergen geprägt, die in Steilküsten zum Meer hin abfallen und wo sich die Brandung fast immer meterhoch türmt. Wie ein Stern laufen die Barrancos, die tiefen Schluchten, von den Küstenregionen aus ins Innere. Hier erreichen die Gipfel der Berge Höhen von bis zu zweitausend Metern. Sie sind nicht die erhabendsten des kanarischen Archipels aber nicht weniger schön. Zu den Bergen winden sich einige Schotterwege, die von stacheligen Agaven gesäumt sind.

Wenn einem eine gute Fee die Wege weist…

Gran Canaria präsentiert sich aus dem Weltall wie eine Muschel im Ozean. Die Insel ist genau 1.532 Quadratkilometer groß und damit unter den sieben Inseln der Kanaren die Nummer drei. Wen eine gute Urlaubs-Fee auf Gran Canaria die Wege weist, der wird die Touristen zu Stätten führen, die kontrastreicher nicht sein könnten.

Hier die weiten Strände von Maspalomas, dort die felsigen Küsten, dann die lebenslustige Metropole Las Palmas und schließlich die karge Landschaft am Roque Nuble, dem „Wolkenfelsen“. Es sind die vielen Gesichter, die dieser Insel des Frühlings ihren Stempel aufdrücken und die sie zu einem Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt machten.

Da gibt es so manche feine Hoteladresse, so wie das „Golf Bandama“, wo häufiger der spanische König seine Fähigkeiten im Putten auf dem Green testete. Juan Carlos wird dort noch immer als Ehrenpräsident des Golfklubs geführt.

Dank zweier Stauseen reift wieder das Gemüse

Mit Schluchten ist Gran Canaria, ähnlich wie La Palma und La Gomera, reichlich gesegnet. Die wohl schönste und von den Wanderern am meisten frequentierte ist der Barranco de Arguineguin. Einst war dies eine karge Gegend, wo die kanarischen Bauern nur mit Mühe ihre Felder bestellen konnten, da es immer wieder an Wasser mangelte.

Doch dann entstanden in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dort die größten Stauseen Gran Canarias. Die Embalse de Sori und östlich davon die Embalse de Chira. Seither gedeiht in den Dörfern Cercado de Espino, La Filipina, El Barranquillo Andrés und Soria endlich wieder das Gemüse. In dieser Gegend können die Urlauber in mehreren kleineren Restaurants die etwas rustikale kanarische Küche genießen. Die Straßen zu den Tälern und zu den Bergen sind überall gut ausgeschildert und asphaltiert.

Wenn wunde Seelen um Balsam bitten

Gran Canaria hat auch den Ruf einer Insel der verborgenen Reize. Auf dem ersten Blick und nach der Landung auf dem Airport bei Las Palmas wirkt die Landschaft kahl und ohne jegliche Idylle. Doch das ändert sich schon bald. Entweder in den von grünen Oasen umgebenen Touristenzentren von Playa de Inglés oder in der Einsamkeit der Bergregionen.

Wer Abstand benötigt vom Nachtleben des Massentourismus, der findet nach den Shoppingmalls von Playa de Inglés in der Nachbarschaft auch eine Zone der Stille. In einer ruhigen Wohnstraße mit weißen Villen und vielen schattigen Palmen gibt es ein Evangelisches Pfarramt, wo der dort amtierende Geistliche häufiger mal als Gesprächspartner gefragt ist. Nämlich dann, wenn Urlaubsträume geplatzt sind oder wenn wunde Seelen um Balsam bitten. Auch das ist ein Aspekt dieser ungewöhnlich vielseitigen Insel.

Maspalomas und die Mär vom Sand aus der Sahara

Geradezu sagenhaft sind die Ausmaße der Dünen von Maspalomas am südlichen Zipfel von Gran Canaria. Für so manchen ist dies eine Art Imitation einer Wüste mit dem Blick aufs Meer. Wer sich in den sandigen Hügeln einen Sonnenplatz sucht, der wähnt sich weitab von den Hotelburgen von San Agustin und Playa de Inglés, denn dies ist die Grenze zwischen der heißen Luft in den Tälern und dem kühlen Atlantik.

Maspalomas ist einer ältesten Orte der Insel – hier blickt der Tourismus auf eine lange Geschichte zurück. Und die Dünen sind seit Generationen ein Aushängeschild von Gran Canaria. Dieser sandige Abschnitt am Strand ist sechs Kilometer lang und zwei Kilometer breit. Sehr lange hielt sich die Mär, dass der feine weiße Sand aus der Sahara herüber geweht wurde und die Dünen durch einen Tsunami entstanden. Inzwischen ist es wohl erwiesen, dass dieser Sand aus dem Kalk von Muscheln und zerriebenen Korallen besteht. Er bildete Dünen ohnegleichen.

Wandernde Dünen und ein Reservat für Vögel

Im mittleren Bereich der Dünen von Maspalomas wurde zwischen dem Leuchtturm und dem Strand von Playa de Inglés ein Bereich für die FKK-Anhänger eingerichtet. Wer es mag, der kann auch auf dem Rücken eines Kamels durch die Wüste am Atlantik stapfen. Dieses sandige Wunder der Natur endet an einem Brackwassersee namens „El Charco“, der als Naturreservat ausgezeichnet wurde, weil hier immer wieder mal Zugvögel vorbei kommen und dann einen Stopp auf ihrer langen Reise einlegen.

Als die touristische Entwicklung Gran Canarias in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeitweilig aus dem Ruder lief, waren die Dünen durch Abwasserprobleme in ihrem Bestand gefährdet. Doch dann besann man sich auf die Bedeutung dieses Areals und stellte die wandernden Dünen von Maspalomas unter Schutz.

Puerto de Mogàn – ein Hauch von Venedig

Wer durch den kleinen Ort Puerto de Mogán im Südwesten von Gran Canaria bummelt, der fühlt sich unweigerlich nach Venedig versetzt. Für viele Besucher ist dieses Dorf mit seinen zahlreichen Kanälen eines der schönsten der Kanaren. Zwar wird man hier nach singenden Gondolieren vergeblich suchen, doch der romantische Hafen und die zahlreichen Brücken verströmen einen ganz besonderen Zauber. F

rüher lebten die Bewohner dieses Ortes fast ausnahmslos vom Fischfang, doch heute spielt der Tourismus eine sehr viel größere Rolle. Der Strand trägt hier eine goldbraune Farbe, und vom Hafen starten etliche Ausflugsboote. Mit einer Fähre kann man von dort in einer Stunde über Anfi und Puerto Rica nach Arguineguin gelangen.

Kolumbus ließ in Las Palmas sein Schiff reparieren

Als der Amerika-Entdecker Christoph Kolumbus im Jahr 1492 auf dem Weg über den Atlantik sein Schiff reparieren lassen musste, ankerte er einige Zeit in Las Palmas, der Hauptstadt Gran Canarias. Dort, wo er übernachtete, befindet sich nunmehr das Kolumbus-Museum.

In den fünfzehn Ausstellungssälen und zwei Innenhöfen des einstigen Gouverneurspalastes sind unter anderem historische Seekarten und Instrumente untergebracht. Das Museum widmet sich aber auch der Geschichte Las Palmas und den Ureinwohnern der Insel sowie der Kulturen Amazoniens, der Mayas und der Azteken. Sein heutiges Aussehen erhielt das sehenswerte Museum in den fünfziger Jahren.

Eine Stadt als Mix aus verschiedenen Kulturen

Las Palmas sprüht an manchen Tagen vor Freude am Dasein. Die Metropole mit ihrem wunderbaren Strand, der Playa de las Canteras, vor der Haustür, mit einer schönen Promenade und zahlreichen Restaurants und Cafes ist ein Mix aus verschiedenen Kulturen.

Im Altstadtviertel Vegueta dringen aus den Bars spanische und karibische Klänge und die stolze Kathedrale Santa Ana erstrahlt in den lauen Stunden des Abends in gleißendem Licht der Scheinwerfer. Zu den schönsten Gebäuden Las Palmas zählt das im neoklassizistischen Stil errichtete Gabinete Literario, das seit der Gründung im Jahr 1844 eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt spielt.

Ein gigantisches Feuerwerk am Johannistag

Wer das Glück hat, am Johannistag im Monat Juni auf Gran Canaria zu weilen, der kommt am drei Kilometer langen Sandstrand von Las Palmas zweifellos auf seine Kosten. Denn dann feiern die Insulaner den Gründungstag ihrer Hauptstadt mit einem gigantischen Feuerwerk. Und manche Besucher bleiben dann bis zum Sonnenaufgang am Strand und amüsieren sich bei Wein, Gesang und Tanz.

Das Viertel hinter der Playa de las Canteras nennt sich Guanarteme. Hier finden sich in den frühen Abendstunden stets Einwohner nach getaner Arbeit ein. Die dortigen Kneipen sind urig, und die raumgreifenden Theken unter dem schummrigen Licht der Deckenlampen sind häufig vollgepackt mit Rotwein-Flaschen und Plastikblumen. Wenn sich die Sonne am Horizont verabschiedet hat, ziehen im Viertel die Sänger mit ihren Gitarren von Haus zu Haus.

Eine mächtige Trutzburg gegen Piraten

Las Palmas kann auf eine interessante Historie zurück blicken, denn die Stadt entstand schon 1478 und war genau vierzehn Jahre alt, als Christoph Kolumbus hier vor Anker ging. Der mittelalterliche Kern der Metropole ist bis heute erhalten geblieben mit der Kathedrale und mit zahlreichen Bürgerhäusern.

Im Hafen ist eine trutzige Burg mit mächtigen Mauern nicht zu übersehen – das Castillo de la Luz. Dies war über einen langen Zeitraum eine der wichtigsten Verteidigungsanlagen der Kanarischen Inseln, und von hier aus wehrten die Spanier Freibeuter, Piraten und Korsaren ab. Die Burg ist heute von einem schönen Garten mit vielen Rosen umgeben. Im Inneren der Anlage gibt es Ausstellungsräume, die immer mal wieder von Bildenden Künstlern genutzt werden.

Die Wohnhöhlen der Mönche im Tuffstein

Bevor Las Palmas gegründet wurde, lebten in der Umgebung bereits Mönche. Viele von ihnen zogen sich in späteren Jahren in den Norden der Insel zurück. Es waren Eremiten, die sich in den weichen Tuffstein der Felsen gruben und in insgesamt 287 Höhlen lebten. Die Wohnhöhlen wurden nach zwei Mönchen benannt und erst im Jahr 1933 entdeckt.

Das gleiche gilt für einige Vorratskammern im Angostura Tal. Die Gegend ist von archäologischer Bedeutung und steht unter Denkmalschutz, weil hier eine alte Ziegelei ausgegraben wurde. Das Naturschutzgebiet Monumento Natural des Roque Nueblo zieht vor allem Wanderer an, denn die Basaltbrocken auf dem Gipfel ähneln einem Frosch und einem Mönch und sind die Wahrzeiten Gran Canarias.

Bunte Städte und eine Prise Kultur

Gleich, ob man sich als Urlauber für eine der riesigen Hotelanlagen unweit der Dünen von Maspalomas entscheidet oder lieber für den Aufenthalt in einer Finca im Grünen: Gran Canaria, die „Muschel“ im Meer, ist immer ein Besuch wert. Mit den malerischen Dörfern, bunten Städten, erstklassigen Restaurants und mit mehr als nur einen Hauch Kultur.

Manchmal beschert eine Brise aus Afrika der Insel heiße Tage, und dann erinnern sich alle Einwohner und deren Gäste daran, dass Gran Canaria eigentlich ein Stück des Kontinents von nebenan ist.