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La Gomera

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Schroff und tief zerfurcht - ein zugängliches Eiland in den Weiten des Atlantischen Ozeans. Zwar trifft dies alles auf La Gomera zu, doch wer sich die Zeit nimmt, diese Insel der Kanaren intensiver zu studieren und sich dabei abseits aller Klischees bewegt, der wird erkennen, dass sich hier die Natur eine Märchenlandschaft geschaffen hat. Mit einem Dschungel zum Wandern und mit Ausblicken, die die Seele berühren. Gomera wird nicht nur von den Managern des internationalen Tourismus als "Insel der Gückseligen" gepriesen. Sie ist ein kleines Paradies und eine der Perlen vor der Haustür Afrikas. Einst kamen nur Einsiedler hierher, heute buchen vom Alltag gestresste Mitteleuropäer einen Flug nach Gomera.

„El Silbo“ – Botschaften fliegen über das Tal

Es mag wohl an der geographischen Situation von La Gomera gelegen haben, dass hier das „El Silbo“, die Pfeifsprache, schon vor vielen Generationen als Mittel diente, mit denen sich die Bauern über ein Tal hinweg verständigen konnten. Längst, bevor die Kanarischen Inseln mit den Segnungen von Internet und Smartphone beglückt wurden, wurde auf La Gomera gepfiffen. Das ist weltweit einzigartig und rief sogar die UNESCO auf den Plan, die „El Silbo“ im Jahre 2009 auf die Liste des Weltkulturerbes setzte. Durch ganz spezielle Techniken lassen sich dabei die normalen Sprachlaute nachahmen sowie Vokale und Konsonanten erzeugen. Ein beträchtlicher Teil der Einwohner dieser Insel beherrscht noch heute diese „fliegenden Botschaften“, denen die Urlauber vor allem bei Fiestas begegnen.

Die kleinen Bananen der Kanarischen Inseln

Wer Bananen mag, der kommt an den auf den Kanaren wachsenden kleineren Exemplaren nicht vorbei. Kenner meinen, dass nur diese wirklich schmackhaft sind. Wie auf der Nachbarinsel La Palma gedeihen sie hier häufiger unter dem Dach schützender Planen. Die sind zwar kein gestaltendes Element der Inseln, doch die Bauern lebten bereits von den Erträgen der Bananen, bevor die Urlauber diese Welten für sich entdeckten. Auf La Gomera wachsen sie prächtig und bilden gemeinsam mit der Blütenpracht und den stattlichen Palmen eine Landschaft, in der sich Mutter Natur von seiner spendabelsten Seite zeigt. In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren es vor allem Aussteiger oder Sympathisanten der aufflammenden Hippie-Kultur, die sich nach La Gomera verirrten.

Zum Entschleunigen in den Lorbeerwald

Heute gibt es nahe der Hauptstadt San Sebastián einen kleinen Flughafen, doch dessen Landepiste ist so kurz, dass hier nur kleine Maschinen nach Inlandflügen landen können. Viele Urlauber kommen jedoch über Teneriffa und begeben sich dann auf eine Fähre der Reederei Fred Olson zur zweitkleinsten aller Kanarischen Inseln. Und die meisten tragen schon beim Flug ihre Wanderstiefel, um ihr Reisegepäck zu erleichtern. La Gomera ist kaum größer als der Stadtstaat Bremen und insbesondere für jene Menschen ein geeignetes Urlaubsdomizil, die einfach mal entschleunigen möchten. Dazu finden sie dann bei den Wanderungen durch Lorbeerwälder, Riesenfarnen und unter den Lianen knorriger Baumgiganten ausreichend Gelegenheit.

Garajonay – eine geradezu mystische Welt

Seit etwas mehr als drei Jahrzehnten steht der Garajonay Nationalpark unter dem Schutz der UNESCO. Dies ist eine geradezu mystische und zuweilen nebelverhangene Welt mit wasserreichen Schluchten, in denen sich der Rio de el Cedro mit einem hundert Meter großen Wasserfall in die Tiefe stürzt. Dort duckt sich zwischen den Bergen des Nordens das malerische Dorf Hermigua inmitten einer grünen Landschaft. Die sogenannten „Zwillingsfelsen“ Roques de San Pedro, die aus emporgeschossenen Vulkanschloten entstanden, sind die Wahrzeichen dieser Gegend. Früher gab es hier mal eine Zuckermühle, doch das einstmals wichtige Exportgut der spanischen Einwanderer verlor dann mehr und mehr an Bedeutung. Auf eine lange Entstehungsgeschichte blickt in der Nachbarschaft das Dominikanerkloster El Convento de Santo Domingo mit seinen toskanischen Säulen und gotischen Bögen zurück.

Nach der Wanderung ein Bad im Meerwasserbecken

Es sind die Dörfer des Nordens, die auf La Gomera eine besondere Anziehungskraft auf die Urlauber ausüben. Über Flora, Fauna und über die die außergewöhnlichen geologischen Eigenschaften dieser Region können sich die Wanderer im Besucherzentrum Juego de Bolas informieren. Dort werden auch kostenlose geführte Wanderungen organisiert. Angeschlossen ist diesem Zentrum ein ethnografisches Museum und ein Botanischer Garten. Und wer nach vielen Kilometern auf Schusters Rappen, über Stock und über Stein die Region erkundet hat und Sympathien für ein kühles Bad hat, der sollte sich zum Meerwasserbecken begeben. Allerdings ist die Benutzung der Anlage an der alten Mole nur bei einer nicht zu heftigen Brandung zu empfehlen und bei hohem Seegang eher gefährlich.

Valle Gran Rey – das Tal des „großen Königs“

Zu den grandiosen Erlebnissen auf La Gomera zählt eine Wanderung im Valle Gran Rey mit seinen terrassenförmigen steilen Flanken, die zum Meer abfallen und sich dort in einer schönen Bucht öffnen. Dies ist dann auch ein Hotspot des internationalen Tourismus, denn im Valle Gran Rey gibt es in La Playa, La Puntilla und Vueltas zahlreiche Unterkünfte in Fincas und Privathäusern. Gebadet wird in diesem Tal an kleinen Stränden, wo der vulkanische Sand so schwarz ist, wie die Nacht. Wer gern hüllenlos badet, begibt sich zur Playa del Inglés. Das „Tal des großen Königs“ entwickelte sich in den siebziger Jahren zu einer beliebten Urlaubs-Destination. Ein Teil des Charmes, den diese Region in der Zeit des „Flower Power“ auszeichnete, hat die Zeit überdauert und ist geblieben.

Die Wahlheimat vieler großer Meeresbewohner

Nicht nur Wanderer sondern auch Mountainbiker finden im Valle Gran Rey ausgezeichnete Bedingungen der Freizeitbeschäftigung. Von dort starten auch die Boote zum beliebten Whale Watching, denn die atlantischen Zonen vor La Gomera sind die Wahlheimat von 26 Arten von Delfinen und Walen. Auch wenn den großen Meeresbewohnern der Fährverkehr und die Übungen der Marine einige Probleme bereiten, so ist doch die Population der „Blauen Wunder“ in Sichtweite des Valle Gran Rey weitgehend konstant geblieben. Forscher setzten sich schon seit Jahren dafür ein, aus dieser Region ein Schutzgebiet zu machen. Wenn der Meeresspiegel ruhig ist, schaut es für die Besucher auf den Booten so aus, als schwebten die Großen Tümmler über einem Spiegel aus azurblauem Glas. Allerdings wird laut Statistik jeder Grindwal in der Meerenge zwischen La Gomera und Teneriffa zweimal pro Jahr von einem Schiff gerammt.

Der Traum der Biologen vom Schutz für Wale

Mit Whale Watching wird überall in den maritimen Zonen der Welt viel Geld verdient. So auch in La Gomera. Doch es mehren sich die Stimmen, die von dieser Branche Rückhaltung einfordern, denn die Wale und Delfine werden in ihrem Lebensraum und vor allem bei ihrer Nahrungsaufnahme gestört. Hin und wieder treiben Schnabelwale nach einer Kollision mit einem der schnellen Boote oder Fähren leblos an die Küste der Insel. Mit Messgeräten wollen Meeresbiologen die Verhaltensnormen der Wale studieren. Auch deshalb, um zu verhindern, dass diese Säugetiere sich verirren. Viele von ihnen haben allerdings noch immer den Traum vom Schutzgebiet vor La Gomera.

Wo Kolumbus seine Wasservorräte auffrischte

La Gomera ist auch eine Insel, auf der sich Legenden über Jahrhunderte von Generation zu Generation weiter erzählt werden. So auch jene von Christoph Kolumbus, der auf seiner weiteren Reise gen Westen eigentlich einen Weg nach Indien suchte und eher aus Versehen jenen nach Amerika fand. In San Sebastian, wo helle Yachten und bunte Boote im kleinen Hafen schaukeln, gibt es ein altes Zollhaus aus dem 17. Jahrhundert. Hier, in der Casa Aduana an der Plaza, wurden einst die für den Export bestimmten Waren registriert und gelagert. Einer dieser Legenden zufolge soll im Innenhof des Zollhauses Christoph Kolumbus im Jahr 1492 seine Wasservorräte für die Fahrt über den Ozean aufgefrischt haben. Ob die Geschichte stimmt, weiß natürlich niemand so ganz genau.

Eine Opfer- und Kulturstätte der Guanchen

Auf La Gomera gibt es auch einen Tafelberg namens La Fortaleza. Wer ihn erwandert, darf sich auf den tollsten Panoramablick freuen, den diese Insel zu bieten hat. Hier oben, in einer Höhe von 1.241 Metern, gab es in Urzeiten eine Opfer- und Kulturstätte der Guanchen. Über deren Riten ist wenig überliefert, geblieben sind allein kreisförmige Symbole auf den Felsen. Sie finden sich auch auf den benachbarten Inseln. Wer den Mirador de Abrante erklimmt, der sollte ein wenig schwindelfest sein, denn er blickt auf einer Höhe von 600 Metern direkt auf das schöne Dorf Ogulo mit seinen Kolonialbauten. Keine Frage: Von La Gomera geht ein außergewöhnlicher Zauber aus. Mit märchenhaften Wäldern, mit Natur pur, immergrünen Nebelwäldern und mit Walen und Delfinen vor der nassen Haustür. Aber auch mit lebenslustigen Einwohnern, die sich in ihrer Rolle als Gastgeber ausgesprochen wohlfühlen.