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La Palma

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Ewiger Frühling? Selbstverständlich kennt auch La Palma eigentlich keine Jahreszeiten. Und die Insel, die dank der Wolken, die sich über den Bergen abregnen, so gut wie nie einen Mangel an Wasser erlebt, klagt nun doch hin und wieder über eine anhaltende Trockenperiode. Wer aber in den grünen Wäldern dieser wohl schönsten Wanderinsel der Kanaren unterwegs ist, der sollte dennoch eine wetterfeste Kleidung mit sich führen. Denn La Palma ist das, was auch für einige andere Insel dieses Archipels gilt. La Palma ist ein Kontinent in sich mit allen Klimazonen, die man sich in gemäßigten Breiten vorstellt. Die atmosphärischen Erfahrungen, die man auf dieser Insel sammeln kann, sind hin und wieder ganz erstaunlich.

Das grüne Zauberreich der Lorbeerwälder

Wenn es mal auf La Palma regnet, was eher im Nordosten häufiger der Fall und ansonsten eher selten ist, dann haben die Meteorologen dafür eine Erklärung. Eigentlich stößt der dort herrschende Passat auf dieser äußersten Insel der Kanaren auf Widerstand, weil die trockene Luft in großen Höhen für Sonnenschein sorgt. Doch gleichzeitig steigt eine eher feuchte Strömung aus tieferen Lagen auf, die Wolken entstehen lässt, aus denen es hin und wieder tröpfelt. Solchen Wetter-Phänomenen verdankt La Palma die üppige Vegetation in Form von vielen Farnen, Lorbeerwäldern und riesigen Vorkommen an Farnen. Dies ist ein grünes Zauberreich, das sich bis in Höhen von fast zweitausend Meter zieht.

Auf der Suche nach Sternen und Schwarzen Löchern

Wen es auf La Palma in die höchsten Höhen zieht, der darf sich auf einen Rastplatz über den Wolken freuen und auf die Aussicht auf die umliegenden Inseln der Kanaren. Auf das entfernte Teneriffa und auf die nahen Nachbarn El Hierro und La Gomera. Auf dieser Insel hat sich vor vielen tausend Jahren eine Katastrophe ereignet, die einen Vulkan entstehen ließ und auch die gigantische Caldera der Taburiente. Der Los Muchachos, der höchste Berg La Palmas, misst nach offiziellen Angaben 2.350 Meter. Dort oben herrscht eine extrem klare Luft, und da dies auch bei Nacht so ist, haben sich zahlreiche europäische Länder dazu entschlossen, dort Oberservatorien zu errichten. Hier wird nach fernen Gestirnen Ausschau gehalten oder auch nach den berühmten „Schwarzen Löchern“. Um keinen Licht-Smog zu verursachen, werden im Tal die Straßenlaternen auf ein Minimum ihrer Leistungskraft reduziert.

Die Wasserfallwolken an den Kanten der Cumbre

Dem Kraterrand schließt sich die Cumbre Nueva an, die eine Wetterscheide ist und häufig ein eindrucksvolles Schauspiel bietet. Die Luftmassen, die aus dem Osten in Richtung Westen ziehen, bilden einen kilometerlangen „Wasserfall“ der Wolken, denn auf der Westseite wird die feuchte Fracht von der anderen Seite der Cumbre von der Sonne eliminiert. Knapp unter dem Kamm dieser Hügelkette gibt es seit vielen Jahren das Refugio El Pilar. Dies ist ein stets gepflegter Rückzugsort der Palmeros, die sich hier mit Kind und Kegel zu Familienausflügen treffen. Unter steinernen Häuschen wird gegrillt und gebrutzelt, und damit nichts aus dem Ruder läuft, wacht dort ein Ranger bis in die Abendstunden. Auch Urlauber sind dort willkommen und das Feuerholz gibt es gratis.

Auf der Vulkan-Route durch eine Mondlandschaft

El Pilar ist im übrigen auch der Ausgangspunkt zu einer Tageswanderung über den Wolken. Die Vulkan-Route ist ein Hit und vielleicht die interessanteste der gesamten Kanaren. Zwischen fünf und sieben Stunden sollte man für den Weg nach Fuencaliente einplanen. Unterwegs werden die erloschenen Vulkane immer jünger. Die Wanderer bewegen sich in einer Mondlandschaft, wenn sie den grünen Gürtel mit den letzten Baumgipfeln verlassen haben. Hier und da wurden im Kieferwald Brandschneisen geschlagen, denn La Palma wurde in den vergangen Jahrzehnten immer mal wieder von Feuersbrünsten heimgesucht. Allerdings sind die mächtigen Kiefern gegen Brände weitgehend resistent, denn an ihnen verkohlt bei einem Feuer lediglich die Rinde, und einige Monate später grünen selbst wieder jene Bäume, denen man eine Erholung eigentlich nicht mehr zugetraut hätte.

Wege zwischen Reben zu den Leuchttürmen von Faro

Unterhalb der kleinen Stadt Fuencaliente, die sich in einer Höhe von siebenhundert Metern über dem Meer ein wenig verschlafen gibt, befindet sich das jüngste Stück Europas, geschaffen beim Vulkanausbruch des fast immer von Stürmen umtobten Teneguia im Süden der Insel. 1971 gab es hier die letzte Eruption auf den Kanarischen Inseln, und die dabei ausgespuckten Lavamassen vergrößerten La Palma. Zu Füßen des Teneguia breitet sich ein weites Weinland aus, und hier, auf dem tiefschwarzen Lava-Boden gedeihen Reben für einen exzellenten Wein. Eine asphaltierte Fahrstraße und ein angenehmer Wanderweg führen hinab zum Meer und zu den Leuchttürmen von Faro. Dort hat sich eine Saline etabliert, wo aus dem Meer das Salz abgeschöpft wird. Die Produkte aus diesen salzigen Becken sind überall auf La Palma in den Supermärkten zu erstehen.

Ein Domizil mit Meerblick ist garantiert

Wer sich für einen Urlaub auf der „Isla Bonita“ entscheidet, kann sich sicher sein, dass er ein Domizil mit Meerblick gebucht hat. Denn da sich diese Insel in sanften Wellen über Hügel und Berge aus dem Meer erhebt und sich die Häuser hinauf ziehen bis in erstaunliche Höhen, ist ein Fernblick garantiert. Die Hauptstadt Santa Cruz, wo es einen kleinen Hafen gibt, wo Kreuzfahrtschiffe und die Fähre von und nach Teneriffa anlegen, wirkt ein wenig so, als sei sie übereinander gestapelt worden. Sie ist die Metropole des Ostens und steht in Konkurrenz zu Los Llanos im Westen. Beide Städte erfreuen sich eines für sie typischen Charakters. Santa Cruz gibt sich ein wenig temperamentvoller, und bei einem Bummel durch die Fußgängerzone gewahrt der Besucher viele schöne Patrizierhäuser. Eindrucksvoll sind aber vor allem die blumengeschmückten Balkone an der Strandpromenade, der Avenida Maritima.

Klassische Konzerte und die „Santa Maria“

Santa Cruz erfreut sich außerdem eines kleinen Opernhauses, dem Theater „Circo de Marte“, wo eine rührige Organisation alljährlich an sommerlichen Abenden Konzerte veranstaltet, bei denen hin und wieder sogar Weltstars der Szene nach La Palma gelockt werden. Palmeros und die sogenannten Residenten, also jene Ausländer, die auf La Palma ihren dauerhaften Wohnsitz genießen, lauschen dann den klassischen Klängen in einem Theater, das einer etwas zu groß geratenen Puppenstube gleicht. Neuerdings verfügt Santa Cruz über einen stadtnahen Strand, und immer schon gab es dort eine Markthalle und die Fassade eines sehenswerten Rathauses. Am Ende des Fußgängerbereichs liegt der Nachbau der legendären „Santa Maria“ des Christoph Kolumbus auf dem Trockenen. Allerdings segelte der Amerika-Entdecker immer nur an La Palma vorbei.

Kamele betrieben das Schöpfrad der Saline

Zwischen dem Hafen von Santa Cruz und dem etwas zu üppig konzipierten Airport von La Palma liegt Los Cancajos, ein aus dem Boden gestampfter Ferienort der Gemeinde Brenja Baja. Vor einem halben Jahrhundert gab es hier nur einen kleinen Fischerort und eine historische Saline, die von der Familie Hernandez Rodriquez betrieben wurde. Ehemals waren es Kamele, die das große Schöpfrad zur Förderung des Meerwassers in flache Becken antrieben. Als sich keine Nachfolger fanden, wurde die Saline stillgelegt, doch da sie von einem altertümlichen Wert ist, wurde sie von der UNESCO als schutzwürdig anerkannt. Heute wandern die Urlauber aus Los Cancajos über den nicht sehr langen Küstenweg daran vorbei.

Der immergrüne Lorbeerwald von Los Tilos

Der stürmische Norden La Palmas führt so etwas wie ein Eigenleben. Die wenigen Straßen hierher führen über unzählige Serpentinen, und obwohl die Insel gerade einmal fünfzig Kilometer lang ist, bedarf es schon einer Tagesreise, wenn man mit dem Mietwagen nach Barlovento fahren möchte. Dass La Palma in seiner Gesamtheit im Jahr 2002 als Biosphärenreservat geadelt wurde, verdankt die Isla Bonita unter anderem seinem dichten und immergrünen Lorbeerwald bei Los Tilos. Diese Region kommt einem Urwald gleich – mit engen Schluchten und riesigen Farnen. Wasserfälle rauschen über Bergrücken in die Barrancos. Man wandert dort durch Licht und Schatten und wird stets umhüllt vom Duft der Pinien. Spätestens jetzt spürt der Urlauber, dass diese Insel von einem besonderen Flair verwöhnt wird und nicht für den Massentourismus geschaffen ist.

…und der Vermieter stellt Orangen vor die Tür

Das Prädikat „Ländlicher Tourismus“ wurde auch auf La Palma vergeben und erfreut sich steigender Beliebtheit bei Menschen, die sich in Mitteleuropa womöglich für einen Urlaub auf dem Bauernhof entscheiden würden. Etliche palmerische Familien haben darin eine touristische Lücke auf ihrer Insel erkannt, erweckten verfallene Gebäude zu neuem Leben und vermieten sie nun an Urlauber, die sich für eine überschaubare Zeitspanne für ein Leben weit abseits der großen Straßen begeistern können. Sie wohnen dann in Häusern mit Geschichte und in denen Geschichten geschrieben wurden. Einstmals arbeitete dort vielleicht der Schmied des Dorfes, oder aber es waren hier, unter zugigen Dächern, Ziegen untergebracht. Hin und wieder schaut heute der Vermieter dieser Domizile vorbei und stellt seinen Gästen einen Korb mit Orangen, Bananen oder Tomaten vor die Tür.

Die Bretterbuden-Idylle von El Remo

Selbstverständlich verfügt La Palma auch über Strände. Sie sind zwar längst nicht so weitläufig wie auf Fuerteventura oder bei den Dünen von Maspalomas auf Gran Canaria, doch an den meisten Badebuchten weht die Blaue Flagge für sauberes Wasser und für eine akzeptable Infrastruktur. Im Westen der Insel zieht es Einheimische und Urlauber gleichermaßen zu den Stränden nach Puerto Tazacorte und Puerto Naos, und wer es ein wenig rustikaler mag, der klettert in der Bretterbuden-Idylle von El Remo über eine Leiter in den dort von der Brandung gezähmten Ozean. Sichere Meeresschwimmbecken finden sich im Nordosten La Palmas mit Charco Azul und der Piscina La Fajada. Wer in Los Cancajos ein kühles Bad nimmt, der hat es dort nicht weit zu einigen schönen Restaurants.

Die stillen Tage am Ende Europas

Auf La Palma findet der Urlauber aber in erster Linie die Natur als einen gigantischen Abenteuerspielplatz. Mit Wanderungen in der Caldera im Schatten des Roque de los Muchachos, auf den Pfaden zwischen den Bananenplantagen oder in den Weinbergen. Wer sich den Sinn für das Schöne bewahrt hat und einem Urlaub abseits der abgetretenen Touristenpfade bevorzugt, der sollte seine Wanderschuhe im Gepäck haben, wenn er nach La Palma fliegt. Und er wird belohnt mit stillen Tagen an der Peripherie Europas.