Lanzarote

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Reiseführer 2020

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Lanzarote – Die Feuerinsel des César Manrique

Schwarz ist fast alles auf Lanzarote. Dies ist die Feuerinsel des genialen Malers, Architekten, Bildhauers und Umweltschützers César Manrique. Seinem Lebenswert begegnet man auf dieser spektakulären Insel auf Schritt und Tritt. Wohl niemand anders hat eine Insel derart geprägt, wie dieser Mann, der eines Tages vor seiner Haustür von einem Auto überfahren wurde und dabei seinen Verletzungen erlag.
Es war Manriques Vision, die Insel seiner Heimat und seiner Träume zu verändern. Eines hat er zu Lebzeiten kommen sehen: Lanzarote hat sich von seinem einstigen Status als Armenhaus der Kanaren längst befreit und ist heute eine der beliebtesten Feriendomizile. Diese Insel muss man mit allen Sinnen genießen und erleben.

Lanzarote – im Feuer geboren und von einem Künstler gestaltet

Wenn auf eine der sieben Kanarischen Inseln das Wort „wild“ zutrifft, dann kann damit eigentlich nur Lanzarote gemeint sein. Sie ist im Feuer geboren und präsentiert sich im Nationalpark Timanfaya als Landschaft, die der Teufel geschaffen haben könnte. Am großen Besucherzentrum und am Restaurant des Parks ist dieser Teufel in stattlicher Größe zu sehen, geschaffen von dem genialen Künstler und Architekten César Manrique.

Der hat wie kein anderer diese Insel geprägt und er wird es zu seinen Lebzeiten nicht für möglich gehalten haben, dass sein Feuerteufel von Timanfaya eines Tages zum Markenzeichen Lanzarotes und zu einem begehrten Mitbringsel für Touristen würde. Diese Insel inspirierte César Manrique, und wer heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Lanzarotes reist, der begegnet immer wieder dessen Ideen und Werken.

Keine Aufzeichnungen von den „Altkanariern“

Es sind die Kontraste, die Lanzarote zu einer „wilden Schönheit“ machten. Bis zur afrikanischen Küste reicht von dort der Blick zwar nicht, doch es nicht allein die geographische Nähe, die die Insel mit Marokko verbindet. Von dort sind vermutlich die ersten Menschen gekommen, die diese weitgehend karge Landschaft besiedelten und die sich in erster Linie an den Früchten des Meeres bedienten.

Von den sogenannten „Altkanariern“ gibt es keinerlei Aufzeichnungen, sieht man einmal von kreisförmigen Kritzeleien auf diversen Felsen ab. Man weiß nur, dass sie eines Tages durch die Soldaten der Herrscher des kastilischen Königshauses aus ihrem vermeintlichen Paradies vertrieben wurden. Lanzarote sollte im frühen 15. Jahrhundert als Handelsstation und als Hafen auf dem Weg der Schiffe nach Amerika dienen, doch diese Überlegungen verschwanden dann im Dunst der Geschichte.

Zeugnis eines Geologen: „Kein Baum, kein Kraut“

Leopold von Buch war ein deutscher Geologe, der im Jahr 1825 nach Lanzarote reiste, weil er sich bei seinen Studien vor allem dem Vulkanismus widmete. Er besuchte vorher den Vesuv in Italien und die Caldera de Taburiente auf La Palma und erkannte dann auf Lanzarote, dass die dortigen Vulkanausbrüche offenbar aus einer einzigen Erdspalte entstanden. Später hielt er darüber einen Vertrag in der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Lanzarote stellte er ein denkbar schlechtes Zeugnis aus, und die Szenerie, die er dort vorfand, fasste er kurz und knapp zusammen: „Kein Baum und kein Kraut…“ Zu den Zeiten seines Besuchs galt Lanzarote in der Tat noch als eines der Armenhäuser der Kanarischen Inseln. Doch mit dem Tourismus hielt dann schließlich ein gewisser Wohlstand dort Einzug.

Nur ein Wimpernschlag der Geschichte

Unter der Erdkruste der Kanarischen Inseln bewegt sich nach Ansicht von Vulkanologen ein „Hot Spot“, der von Ost nach West wandert. Er entlädt sich immer mal wieder in Eruptionen und lässt vor der afrikanischen Küste neue Inseln entstehen. Lanzarote ist dafür das beste Beispiel, denn dort passierte der größte aller Vulkanausbrüche in den sechs Jahren zwischen 1730 und 1736. Zwar sind diese knapp dreihundert Jahre, die seither vergangen sind, eher ein Wimpernschlag der Geschichte, doch wer sich als Urlauber heute mit dem Bus durch den Nationalpark Timanfaya chauffieren lässt, der kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass diese Katastrophe erst vor ein paar Jahren eintrat.

Der Pfarrer von Yaiza erlebte die Hölle

Von den Ereignissen im September 1730 ist ein bemerkenswertes Dokument erhalten geblieben. Es stammt aus der Feder des Pfarrers von Yaiza, eines Dorfs zwischen dem Bergrücken des Los Ajaches und der Vulkanlandschaft des Timanfayas Gebirges. Dies sind die Kernsätze seiner dramatischen Schilderung: „Ein gewaltiger Berg bildete sich in der ersten Nacht und er brannte 19 Tage lang. Ein Lavastrom floss ins Meer und die Küsten waren mit riesigen Mengen toter Fische bedeckt.“ Der Geistliche beendete seine Tagebuch-Notizen erst in jener Stunde, als die Lavamassen seine Kapelle erreichten. Er hatte die Hölle auf Erden erlebt, als die einstige Kornkammer Lanzarotes zerstört wurde.

Vierhundert Grad Celsius in vier Metern Tiefe

Der Nationalpark Timanfaya mit den Feuerbergen ist zweifellos die größte Sehenswürdigkeit auf Lanzarote. Er ist 51 Quadratkilometer groß und kann nur im Rahmen einer gebuchten Busreise besichtigt werden. Die Lavamassen nehmen ein Viertel des gesamten Volumens der Insel ein, und an manchen Stellen dieser Mondlandschaft ist der Untergrund noch ziemlich heiß. Das wird unmittelbar am Besucherzentrum eindrucksvoll demonstriert, wenn Arbeiter Ginsterbüsche in einen heißen Schlund werfen und diese unmittelbar zu brennen beginnen.

Wenn Wasser in das Erdloch geschüttet wird, entsteht eine Fontäne aus Dampf. In einer Tiefe von vier Metern beträgt die Temperatur vierhundert Grad Celsius. Acht Meter tiefer sind es dann sechshundert Grad Celsius. Das Restaurant „El Diabolo“ serviert im übrigen Hühnerbeine, die auf dem Grill mit der Erdhitze gegart werden.

Aus einer Ödnis machte Manrique ein Juwel

Das vulkanische Herz der Insel hatte es dem Künstler und Architekten César Manrique offenbar schon immer angetan, denn wo andere auf Lanzarote eine unendliche Ödnis erblickten, entdeckte er ein Juwel nach dem nächsten. Die skurilen Formen der Gebilde aus Lava machte er sich zunutze und gestaltete Ungewöhnliches. Zeit seines Lebens war er ein Kämpfer gegen die Veränderungen auf Lanzarote. Er hasste die Hotelburgen und den Massentourismus und setzte seine Art des Denkens und Handelns dagegen.

Heute wäre Lanzarote ohne die Ideen dieses Mannes nicht das, was es ist. Als er eines Tages im Norden der Insel vor einem von Unrat verschütteten Höhleneingang stand, sagte er zu seinem Begleiter, dem Freund seiner jungen Jahre: „Wenn Du mir hilfst, mache ich daraus einen der schönsten Plätze der Welt.“ Es ist ihm gelungen!

Von Albinokrebsen und unterirdischen Konzerten

Jameos del Agua ist heute gleichermaßen eine Kult- und Kulturstätte. Das eindrucksvolle Vermächtnis eines Genies. Als die ersten Besucher im Jahr 1966 dieses unterirdische Kunstwerk betrachteten, hielten etliche von ihnen den Atem an. Entstanden war unter dem Lavafeld des Vulkans Monte de la Corona ein Wunder der Natur. Mit einem See, in dem sich Albinokrebse tummeln, mit einer hundert Meter langen Röhre, mit einem interessanten Beleuchtungssystem, bei dem man glaubt, dass Sterne auf dem stillen Wasser funkeln und mit einem Gewölbe, das zu Konzerten genutzt werden kann. Der fünftausend Jahre alte Lavatunnel war von nun an zum Leben erweckt worden und ist eine der Meisterwerke des César Manrique. Überirdisch erreicht der Besucher ein von Palmen umsäumtes schneeweiß leuchtendes Schwimmbecken, ein Restaurant und ein Museum.

„Im Land der Vulkane bin ich selbst ein Vulkan“

Manrique war ein Kind der Insel Lanzarote. Seine Wiege stand in der Hauptstadt Arrecife. Später studierte er in Madrid und wurde häufig belächelt, wenn er seine Ideen präsentierte. Er versuchte sich als Maler an abstrakten Bildern, zog dann nach New York, wo seine Werke in einer Galerie neben denen von Joan Miró hingen. Nun war er berühmt, doch seine Gedanken gingen immer zurück nach Lanzarote. „In diesem Land der Vulkane bin ich selbst ein Vulkan“, sagte er einmal und begann damit, Konzepte für ungewöhnliche Projekte zu entwickeln. Er träumte von einem „Paradies des Wenigen“ und nutzte bei seinem Bauten die Materialien, über die diese Insel in reichem Maße verfügte: Lava!

Kein Gebäude ist höher als eine Palme

Aber Manrique verstand sich auch als eine Art Missionar und Umweltschützer. Er wollte verhindern, dass aus seiner Heimat eine betonierte Landschaft wurde. Und er hatte in seinem Bemühen Erfolg, denn die Inselverwaltung unterschrieb ein Gesetz, wonach kein Gebäude höher sein sollte als eine Palme wachse. Es entstanden aus seiner Ideenschmiede der Jardin de Cactus, ein eindrucksvoller Garten mit unzähligen Kakteen, der Mirador del Rio mit dem Blick auf die kleine Insel La Graciosa sowie etliche Kunstwerke am Straßenrand. Nachdem er im September 1992 bei einem Autounfall vor seiner Haustür ums Leben kam, steht nun auch sein eindrucksvolles Wohnhaus der Öffentlichkeit für Besichtigungen offen.

Teguise – Häuser im spanischen Kolonialstil

An Manrique kommt auf Lanzarote eigentlich keiner vorbei. So entstand unter seiner Regie auch das Ferienzentrum Costa Teguise mit dessen weißen Häusern im kanarischen Stil. Und er entwarf das Schwimmbad des ersten Fünf-Sterne-Hotels auf Lanzarote, dem Hotel „Melia Salinas“. Der historische Ort Teguise wurde von Piraten mehrfach zerstört und dann immer wieder aufgebaut. Heute stehen dort einige Häuser im spanischen Kolonialstil unter Denkmalschutz. Die gesamte Altstadt von Teguise wirkt wie ein Museum, und wer durch die engen Gassen bummelt, der wandelt auf den Spuren der Geschichte. Überall auf der Insel finden sich gastfreundliche Wirte und beschauliche Restaurants.

Weinbauern und Landschaftskünstler

Der Anbau von Wein hat auf Lanzarote nicht nur Tradition – viele Winzer verstehen sich als Landschaftskünstler. In der Gegend von La Geria wächst jede Rebe in einer eigens für sie ausgehobenen Senke, wo sich die Feuchtigkeit der Nacht sammelt und wo die empfindlichen Pflanzen vom Wind mit einer aufgeschichteten Steinmauer geschützt sind. In diesen Weinbergen, unweit des Nationalparks Timanfaya, werden edle Tropfen den den Tischen malerischer Fincas serviert. Zu den meisten Gütern gehört eine kleine Kneipe mit einer gut sortierten Auswahl an Weinen und an Tapas. Angebaut werden in erster Linie die Trauben Moscatel und Malvasier. Die älteste Weinkellerei der Kanaren ist El Grifo. Der Bodega angegliedert ist ein Weinmuseum.

Die „perfekte Welle“ beim Fischerdorf La Santa

Windsurfer haben auf Lanzarote längst ihren besten Strand und dort die „perfekte Welle“ gefunden. Die Könner unter ihnen zieht es in die Nähe des Fischerdorfs La Santa, doch das ist wegen der Unberechenbarkeit des Ozeans kein Revier für Anfänger. Die sollten ihr Glück eher am Strand von Caleta de Famara versuchen. Wer im türkisfarbenen Meer baden möchte, muss auf Lanzarote auf der Hut sein, denn nicht alle Strände sind zum Schwimmen geeignet. Bevorzugt wird von den Urlaubern der Nordosten Lanzarotes mit seinen Dünen, die auch den Wind brechen: Mojón Blanco und Caletón Blanco. Wenn man nicht gerade an einem heißen Wochenende hierher kommt, findet man seinen geschützten Platz am Strand.

Luxuriöse Hotels und erstklassige Restaurants

Lanzarote versteht sich als Domizil für Menschen, die einen gewissen Qualitäts-Anspruch an ihr Urlaubsziel haben. Daher mangelt es nicht am luxuriösen Hotels, erstklassigen Restaurants und an einer beispielhaften Infrastruktur. Die Besucherzahlen schossen in neue Dimensionen, seitdem sich der Zauber dieser ungewöhnlichen Insel der Kanaren herumgesprochen hat. Die beliebtesten Urlaubsorte sind nunmehr Puerto del Carmen, Costa Teguise und Playa Blanca.

Das Modell Lanzarotes zur touristischen Entschließung erfuhr internationale Anerkennung, und in den frühen neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die gesamte Insel zum Biosphärenreservat der UNESCO erklärt. Nicht alle Träume des Künstlers César Manrique erfüllten sich auf „seiner“ Insel, doch den Spagat zwischen dem Anspruch, die natürlichen Ressourcen zu nutzen und dem Tourismus zu dienen, hat Lanzarote mit seinem vielseitigen Freizeitangebot zweifellos geschafft.