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Auf historischer Entdeckungstour im Mühlviertel

Urlaub in Österreich – das wird immer beliebter. Denn zum einen sind die meisten Ziele der Alpenrepublik rasch erreicht, zum anderen punktet das Land mit vielfältigen Landschaften. Eine Region rückt dabei immer öfter in den Fokus Reisender: das Mühlviertel. Dabei handelt es sich um eines der vier Viertel des Bundeslandes Oberösterreich, das sich ganz im Norden befindet. Charakteristisch – und namensgebend – für das Gebiet ist die Große Mühl, einer der wichtigsten Flüsse. Daneben spielen die Kleine und die Steinerne Mühl wichtige Rollen in Sachen Gewässer. Sie schlängeln sich durch die hügelige Szenerie, die von magischen Wäldern über wildromantische Pfade bis hin zu traumhaften Aussichten alles beinhaltet, was Naturliebhaber ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Und dann sind da auch noch jede Menge historische Plätze, die erkundet werden können. Imposante Schlösser thronen auf Felsvorsprüngen, Ruinen zeugen von einstigen Herrschern und alte Kettentürme erinnern an längst vergessene Zeiten. Geschichtefans kommen hier voll auf ihre Kosten.

Historisch und schön: Schlösser und Burgen im Mühlviertel

Das Mühlviertel grenzt im Westen an Bayern, im Norden an Südböhmen und im Osten und Südosten an Niederösterreich. In dieser wunderschönen, naturnahen Region können Sie eine Vielzahl an Burgen, Schlösser und Ruinen besichtigen. Es gibt auch einen Burgen- und Schlösserweg, der in Grein an der Donau startet. Zu den bekanntesten Burgen und Schlössern zählen:

Burg Piberstein

Die Burg Piberstein liegt im Ortsteil Piberstein in der Gemeinde Helfenberg im Bezirk Rohrbach und thront hoch über dem Zentrum. Sie wurde im 13. Jahrhundert gebaut, um 1620 im Renaissancestil erweitert und galt insbesondere im 16. Jahrhundert als Bollwerk gegen die Türken. Im 18. Jahrhundert wäre ein weiterer Umbau geplant gewesen, der jedoch nie zustande kam. Vielmehr verfiel die unbewohnte Burg sukzessive, wurde zwischenzeitlich nur kurz als Hotel mit Restaurant betrieben, und war ab den späten 1930er-Jahren erneut dem Verfall preisgegeben. Seit den 1960er-Jahren wird sie wieder kontinuierlich renoviert und gewartet und dient heute vor allem in den Sommermonaten als Kulturzentrum für Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und Co. Besucher durchschreiten zunächst den prägnanten Eingangsturm. Links davon steht eine Kapelle, in den mittleren Hof gelangt man schließlich durch ein hohes Torgewölbe. Zu erkunden gibt es außerdem Arkadengänge, einen rekonstruierten Rittersaal oder einstige Schießscharten. Ein Besuch lässt sich somit hervorragend mit einer Kulturveranstaltung oder mit einer Auszeit im Mühlviertler Böhmerwald verbinden. Ebenso führen zahlreiche Wander- und Mountainbike-Strecken an der Burg Piberstein vorbei – so etwa der Granitpilgerweg, der Ahorner Rundweg oder der Drei-Burgen-Weg.

Schloss Greinburg

Die Greinburg steht imposant auf einer Bergkuppe im Strudengau im Bezirk Perg. Sie wurde im späten Mittelalter zum Schutz der umliegenden Region erbaut und strahlt noch immer eine Aura militärischer Stärke und Macht aus. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde das Gebäude erheblich umgestaltet und wohnlicher gemacht, im Jahr 1822 erworben es schließlich die Herzogen von Sachsen-Coburg-Gotha.

Schloss Greiburg

Heute können sich Besucher von den repräsentativen Räumen beeindrucken lassen und auch die Coburger Festsäle sind im Rahmen einer Führung zugänglich. Sehr interessant ist darüber hinaus das Oberösterreichische Schifffahrtsmuseum, das sich im Schloss befindet.

Ruine Prandegg

Diese beeindruckende Ruine befindet sich im Gemeindegebiet von Schönau im Bezirk Freistadt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1287 – jahrhundertelang war Prandegg eng mit dem Markt Zell (heute Bad Zell) und dem Schloss Zellhof verbunden.

Ruine Prandegg

Doch fangen wir von vorne an: Die Burg gehörte bis Mitte des 13. Jahrhunderts den Regensburgern und kam erst später in den Besitz der Familie Prandegg. Im Jahr 1536 kaufte Hilleprant Jörger zunächst den Markt Zell (Bad Zell). Damit gab sich Jörger jedoch nicht zufrieden, oder besser gesagt, er versuchte, diesen Besitz weiter zu vergrößern. Hierzu erwarb er viele weitere Höfe und Flächen in der Gegend. Im Jahr 1607 wurde so auch das Schloss Zellhof gekauft. Die Jörgers lebten hauptsächlich in Prandegg, nutzten Schloss Zellhof aber als Zweitwohnsitz oder als Haus für Besucher. Die beiden Domänen Prandegg und Zellhof wurden schließlich unter der Herrschaft der Jörgers vereint, wodurch sich ein großer Einflussbereich für die Adelsfamilie ergab.

Während die Region im Laufe der Jahre an Bedeutung verlor, geriet auch das Schloss in Vergessenheit. Nur die Brauerei und die Hofschänke wurden weitergeführt, dann aber ebenso aufgegeben. Im Jahre 1806 starb das Geschlecht der Zellhofer endgültig aus. Das Anwesen ging in weiterer Folge an die Grafen Dietrichstein über, die ihrerseits Zellhof und Prandegg 1823 an die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha auf Schloss Greinburg verkauften. Bis heute befindet sich das Anwesen im Besitz ihrer Nachkommen und ist eines der beliebtesten Ausflugsziele.

Schloss Weinberg

Das Schloss Weinberg liegt in den Weinbergen oberhalb des Ortes Kefermarkt im Bezirk Freistadt. Die erste Burg an dieser Stelle wurde im 11. Jahrhundert errichtet, 1600 baute Hans Wilhelm von Zelking das Gebäude schließlich im Rennaisancestil um.

Schloss Greiburg

Nachdem das imposante Gebäude jahrhundertelang unbewohnt war, pachtete das Land Oberösterreich das Schloss Weinberg im Jahr 1986. Seitdem wird es als regionales Zentrum für Musik und Bildung genutzt und war Schauplatz wichtiger Ausstellungen.

Andere Schlösser und Ruinen in der Region

Viele weitere geschichtsträchtige Gebäude warten im Mühlviertel darauf, entdeckt zu werden. Und das Gute: Sie lassen sich optimal mit einer Wanderung oder Mountainbike-Tour verbinden. Ein paar weitere Highlights:

  • Ruine Ruttenstein
  • Schloss Marsbach
  • Schloss Pragstein
  • Schloss Brunnwald
  • Kettenturm bei St. Martin im Mühlkreis
  • Ruine Klingenberg
  • Ruine Falkenstein
  • Schloss Altenhof
  • Schloss Neuhaus
  • Ruine Haichenbach
  • Ruine Waxenberg
  • Burg Reichenstein
  • Schloss Zellhof
  • Schloss Wildberg
  • Schloss Ottensheim
  • Schloss Riedegg

Schloss Linz (Schlossmuseum Linz)

Einen eigenen Absatz widmen wir dem Schloss Linz, das in der Landeshauptstadt hoch über der Donau thront. Aufzeichnungen zufolge befand sich an dieser Stelle seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Festung, deren Überreste noch bei den alten Mauern und beim Friedrichstor zu sehen sind. Das heutige Gebäude stammt überwiegend aus dem 16. Jahrhundert und wurde nach einem Brand im Jahr 1800 wieder aufgebaut.

Blick von der Donau auf Schloss Linz

Heute beherbergt die historische Festung das Schlossmuseum, das wichtige kunsthistorische Sammlungen sowie Exponate aus der prähistorischen, römischen und mittelalterlichen Zeit – darunter Gemälde, Skulpturen, Waffen und Rüstungen – bereithält.

Die Geschichte des Mühlviertels: Von den Römern bis heute

Die aufgezeichnete Geschichte des Mühlviertels beginnt in der Römerzeit. Das Gebiet war damals wahrscheinlich von einfachen germanischen Stämmen besiedelt, wie einige Funde bezeugen. In der Zeit vom 6. bis zum 8. Jahrhundert ließen sich sporadisch Bajuwaren in der Region nieder.

Im Mittelalter kam es zu einer stetigen Entwicklung insbesondere des Gebietes westlich des Haselgrabens. Die Adelsfamilie Waxenberg erweiterte von dort aus ihre Ländereien und errichtete 1150 die Burg Waxenberg. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts drang die Domäne der Babenberger zum ersten Mal auch in einen Teil des Mühlviertels vor, als sich die Waxenberger dem österreichischen Herzog anschlossen.

Mit dem Tod von Herzog Friedrich II. im Jahr 1246 kam es zu Grenzstreitigkeiten mit dem Königreich Böhmen. Infolgedessen erhielt König Ottokar II. von Böhmen den babenbergischen Teil Oberösterreichs bis zum Hausruck und zur Großen Mühl. Unter habsburgischer Herrschaft wurde das Gebiet wieder in Österreich eingegliedert. Die Gebiete des ehemaligen Mühlviertels wurden 1779 sodann mit dem Machlandviertel zum „Neuen Mühlviertel“ vereinigt.

In der Zeit des Vormärz entwickelte sich das Mühlviertel zu einer landwirtschaftlichen Vorzeigeregion. Neben der Landwirtschaft waren auch die Leinenproduktion und der Eisenhandel von Bedeutung. Im Bereich der Volkskunst erfreuten sich die Glasbilder von Sandl großer Beliebtheit.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Grenze zur Tschechoslowakei gezogen. Während des Zweiten Weltkriegs errichteten die Nationalsozialisten in Mauthausen ein Konzentrationslager. Doch Ende April 1945 erreichten amerikanische Soldaten die Grenze des oberen Mühlviertels und betraten zum ersten Mal oberösterreichischen Boden.

Auch wenn die Landwirtschaft in der Nachkriegszeit im Mühlviertel noch vorherrschend war, nahm ihre Bedeutung fortan sukzessive ab. Mit dem Aufkommen der Großindustrie in Linz stieg der Anteil der Arbeitnehmer allmählich an. Im Jahr 1980 fuhren bereits täglich mehr als 7.000 Menschen vom Mühlviertel zum Arbeiten in die Landeshauptstadt.