Für Prag konkurrieren fünf Produkte um denselben Platz in der Reisekasse, und sie unterscheiden sich stärker, als die ähnlichen Namen vermuten lassen. Nur eines ist die offizielle Stadtkarte: der Prague Visitor Pass von Prague City Tourism. Daneben stehen der private Prague CoolPass, die beiden Go-City-Pässe All-Inclusive Pass und Explorer Pass sowie The Prague Pass, ein Bündel aus vier Einzelleistungen. Der Unterschied, der die Rechnung am stärksten dreht, betrifft den Nahverkehr.
Die Prag-Pässe im Vergleich
| Pass |
Dauer / Umfang |
Preis ab |
Eintritte |
Skip-the-Line |
Nahverkehr |
| Prague Visitor Pass (offiziell) |
48, 72 oder 120 Stunden |
112 € |
mehr als 70 Orte, frei oder ermäßigt |
nicht ausgewiesen |
ja, unbegrenzt |
| Prague CoolPass |
ein bis sechs Tage |
72 € |
sehr große Auswahl, freier Eintritt |
nein |
nein |
| Go City All-Inclusive Pass |
ein bis fünf Tage |
64 € |
31 Attraktionen, Touren, Aktivitäten |
nicht zugesagt |
nein |
| Go City Explorer Pass |
drei bis sieben Attraktionen, 30 Tage Zeit |
beim Anbieter |
Auswahl aus 21 Attraktionen |
nicht zugesagt |
nein |
| The Prague Pass |
Bündel aus vier Bausteinen |
81,50 € |
Burg, Uhrturm, Bootsfahrt, Audioguide |
am Turm der Astronomischen Uhr |
nein |
Die Preise sind Erwachsenentarife der jeweils kleinsten Variante, direkt beim Anbieter. Die letzte Spalte ist die wichtigste: Nur der offizielle Prague Visitor Pass ist zugleich Fahrschein. Bei allen anderen Pässen kommen die Kosten für Metro, Tram und Bus obendrauf.
Prague Visitor Pass: die offizielle Stadtkarte
Herausgeber ist Prague City Tourism, die Tourismusorganisation der Hauptstadt. Es ist die einzige offizielle Stadtkarte Prags. Sie gilt wahlweise 48, 72 oder 120 Stunden ab 112 €, neben dem Erwachsenentarif gibt es günstigere Preise für Studenten und Kinder. Die Uhr läuft ab der Aktivierung durchgehend, nicht ab dem Kauf: Aktiviert wird an einem Verkaufspunkt oder in der App, sofort oder erst am Reisetag.
Auf der Liste stehen mehr als 70 Orte und Erlebnisse, teils mit freiem Eintritt, teils mit Ermäßigung, jeder Ort einmal. Dazu gehören die Prager Burg, das Altstädter Rathaus, das Jüdische Viertel, Vyšehrad, die sieben Prager Türme und der Zoo. Enthalten sind außerdem geführte Stadtrundgänge, eine Moldau-Schifffahrt und die historische Tramlinie 42.
Der eigentliche Hebel ist der Nahverkehr: Metro, Tram, Stadtbusse, Trolleybusse und die Fähren im Stadtgebiet sind unbegrenzt enthalten, inklusive der Fahrt vom und zum Flughafen. Das leistet kein anderer Prag-Pass. Was der Pass ausdrücklich nicht verspricht, ist Vorrang beim Einlass. Die offizielle Seite nennt kein Skip-the-Line, plane an den großen Zielen also die üblichen Wartezeiten ein. Erhältlich ist er als physische Karte oder als digitaler e-Pass in der App.
Prague CoolPass: die größte Auswahl, ohne Fahrschein
Hinter dem CoolPass steht ein privates Unternehmen ohne städtische Trägerschaft. Er ist damit keine offizielle Stadtkarte, auch wenn Name und Auftritt in diese Richtung zielen. Angeboten werden sechs Stufen von einem bis sechs aufeinanderfolgenden Tagen ab 72 €; die Gültigkeit beginnt mit dem ersten Eintritt. Genutzt wird er über die App des Anbieters, alternativ gibt es eine physische Karte zum Abholen.
Der Umfang ist seine Stärke: eine sehr große Auswahl Prager Ziele mit freiem Eintritt, darunter die Prager Burg mit dem Veitsdom, das Jüdische Museum, das Nationalmuseum und der Zoo, dazu ein Sightseeing-Bus und Moldau-Schifffahrten. Wie viele Ziele es genau sind, geben die Verkaufskanäle unterschiedlich an. Maßgeblich ist die Liste des Anbieters für deinen Reisetermin.
Der Haken ist der Nahverkehr: Er ist nicht enthalten. Das ist der zentrale Unterschied zum offiziellen Visitor Pass, und er schlägt bei einem dichten Programm über mehrere Tage spürbar zu Buche.
Go City: All-Inclusive Pass und Explorer Pass
Go City verkauft für Prag zwei Modelle mit sehr unterschiedlicher Logik.
Der All-Inclusive Pass deckt 31 Attraktionen, Touren und Aktivitäten ab und gilt ein bis fünf Kalendertage ab der ersten Nutzung, ab 64 €; für Kinder von drei bis 16 Jahren gilt ein niedrigerer Tarif. Die Prager Burg ist enthalten. Ein noch nicht aktivierter Pass bleibt ein Jahr ab Kauf gültig, stornieren kannst du bis 90 Tage nach dem Kauf, was bei noch unsicherer Reiseplanung hilft.
Der Explorer Pass ist ein Auswahlpass: Du wählst drei bis sieben Attraktionen aus 21 Angeboten und hast dafür 30 Tage ab dem ersten Besuch Zeit. Die Ziele müssen also nicht an aufeinanderfolgenden Tagen liegen. Ein wichtiger Vorbehalt: Der reguläre Eintritt zur Prager Burg gehört nicht dazu, wählbar ist stattdessen eine geführte Tour durch die Burg. Den Einstiegspreis nennt der Anbieter auf seiner Produktseite.
Für beide Go-City-Pässe gilt: Der Nahverkehr wird nicht als Leistung geführt, kalkuliere ihn separat. Eine Zusage, an den Attraktionen ohne Anstehen hineinzukommen, gibt es ebenfalls nicht.
The Prague Pass: vier Bausteine in einer Buchung
Trotz des Namens ist das kein Städtepass, sondern ein festes Bündel eines Ticketkanals aus vier Bausteinen: Eintritt zur Prager Burg mit einer kurzen Einführung, Eintritt zum Turm der Astronomischen Uhr, eine 55-minütige Moldau-Rundfahrt und ein Audioguide für die Stadt. Am Uhrturm entfällt das Anstehen, du nimmst direkt Aufzug oder Treppe. Der Einstieg liegt bei 81,50 €.
Die Ersparnis gegenüber Einzeltickets gibt der Anbieter selbst mit bis zu sechs Prozent an, dazu kommt ein Rabattcode für weitere Prager Ziele im selben Kanal. Das ist ein schmaler Vorteil. Der Reiz liegt weniger im Preis als darin, dass drei Klassiker plus Audioguide in einer Buchung erledigt sind. Nahverkehr ist nicht enthalten.
Lohnt sich ein Prag-Pass? Die Rechnung
Das Vorgehen ist bei jedem Pass gleich: Schreib die Ziele auf, die du auch ohne Pass besuchen würdest, addiere ihre Einzelpreise und rechne beim Visitor Pass die Fahrscheine dazu, die sonst anfallen. Diese Summe stellst du dem Passpreis gegenüber. Alles, was du nur besuchst, weil es im Pass steckt, gehört nicht in die Rechnung.
- Prague Visitor Pass ab 112 €: Die Schwelle liegt niedriger, als der Preis zunächst vermuten lässt, weil der Nahverkehr mitzählt. Wer an zwei Tagen Burg, einen Turm und das Jüdische Viertel ansteuert, dazu täglich mehrfach Metro oder Tram nutzt und einmal zum Flughafen fährt, liegt in der Regel vorn.
- Prague CoolPass ab 72 €: Er rechnet sich über die Menge der Eintritte. Liegen deine Wunschziele einzeln im Schnitt über dem Tagespreis der gewählten Stufe, sparst du. Die Fahrscheine für den Nahverkehr addierst du hier zusätzlich.
- Go City All-Inclusive Pass ab 64 €: dasselbe Prinzip mit kleinerem Katalog und Kalendertagen. Er verlangt ein straffes Programm an aufeinanderfolgenden Tagen, sonst verfällt bezahlte Leistung.
- Go City Explorer Pass: Hier zahlst du für eine feste Zahl Ziele statt für Zeit. Teile den Preis der kleinsten Stufe durch drei und vergleiche das Ergebnis mit den Einzelpreisen deiner Wunschziele. Die 30-Tage-Frist nimmt den Zeitdruck heraus.
- The Prague Pass ab 81,50 €: Bei bis zu sechs Prozent Ersparnis entscheidet nicht der Preis, sondern die Frage, ob du genau diese vier Bausteine ohnehin wolltest.
Kein Pass lohnt sich, wenn du Prag zu Fuß erkundest. Altstadt, Karlsbrücke, Kleinseite und die Gassen dazwischen kosten nichts, ebenso der Blick auf die Burg von außen. Wer in zwei bis drei Tagen nur ein oder zwei kostenpflichtige Ziele ansteuert oder die Reise um Konzerte, Restaurants und Cafés herum plant, fährt mit Einzeltickets und einzelnen Fahrscheinen günstiger.
Welcher Pass für wen?
- Klassisches Sightseeing über zwei bis fünf Tage, ohne Auto: Prague Visitor Pass. Der enthaltene Nahverkehr samt Flughafenfahrt ist das Argument, das kein anderer Pass hat.
- Viele Eintritte, Unterkunft im Zentrum, kurze Wege: Prague CoolPass. Wer ohnehin meist läuft, verliert wenig durch den fehlenden Fahrschein und bekommt die größte Auswahl.
- Dichtes Programm an ein bis zwei Tagen, Planung noch offen: Go City All-Inclusive Pass, auch wegen der Stornofrist von 90 Tagen.
- Längerer Aufenthalt, wenige gezielte Höhepunkte: Go City Explorer Pass. Du wählst drei bis sieben Ziele und hast 30 Tage Zeit dafür.
- Ein Tag Klassiker ohne Planungsaufwand: The Prague Pass. Burg, Uhrturm und Moldau in einer Buchung, am Turm ohne Anstehen.
Was kein Pass abdeckt
- Nahverkehr bei vier von fünf Pässen. Nur der Visitor Pass ist zugleich Fahrschein. Bei CoolPass, den beiden Go-City-Pässen und The Prague Pass kaufst du Tickets des Verkehrsbetriebs separat, auch für die Fahrt vom Flughafen in die Stadt.
- Regulärer Burg-Eintritt beim Explorer Pass. Wählbar ist dort nur die geführte Tour. Wer die Burg im eigenen Tempo sehen will, braucht einen anderen Pass oder ein Einzelticket.
- Zweitbesuche beim Visitor Pass. Jeder Ort gilt einmal. Ein zweiter Gang in dasselbe Haus ist kein Passvorteil.
- Turbopass. Der Anbieter führt Prag nicht im Programm, für diese Stadt gibt es von ihm kein Produkt.
- Prague Card. Die frühere Prag-Karte existiert nicht mehr eigenständig, sie ist im CoolPass aufgegangen. Ältere Reiseführer, die sie empfehlen, sind an dieser Stelle überholt.
Ein Hinweis zum Kauf: Die offizielle Stadtkarte gibt Prague City Tourism heraus. Daneben kursieren mehrere Seiten mit offiziell klingenden Namen, die den Pass lediglich weiterverkaufen. Welche Ziele überhaupt auf deine Liste gehören, zeigt unsere Übersicht der Top-Sehenswürdigkeiten in Prag.