Teneriffa

Teneriffa

Teneriffa

Teneriffa

Reiseführer 2020

Teneriffa – über allem thront der Teide

Der Pico del Teide ist mit einer Höhe von 3.718 Metern der Gigant unter den Bergen Spaniens. Dass er sich eine Insel ausgesucht hat, kommt nicht von ungefähr, denn unter dem Riesen, der auf Teneriffa alles überragt, schlummert eine riesige Magma-Kammer. Der Feuerberg schickte zum letzten Mal im Jahr 1909 seine Lava in den Himmel und hat seine Schrecken von einst längst verloren. Auf Teneriffa begegnen sich Natur und Kultur. Dort gibt es nicht nur erstklassige Hotelanlagen und den imposanten Aquapark Octopus mit seiner vielfältigen Badewelt sondern auch zahlreiche ausgetretene und deshalb gut begehbare Pfade durch immergrüne Wälder.

„Islas encantadas“ werden die Kanarischen Inseln auch genannt: Verzauberte Inseln. Keine Frage: Von einigen dieser Perlen im Atlantik geht in der Tat so etwas wie ein Zauber aus. Zum Beispiel von Teneriffa, vor dessen Gestaden die Wissenschaftler seit vielen Generationen rätseln, ob hier das geheimnisumwitterte Märchenreich Atlantis verschwunden sein könnte.

Wer an den vulkanischen Kaskaden vor den Felsen von Los Gigantes vorbei segelt, der neigt womöglich dazu, dass er sich im Reich seiner Phantasie vergaloppiert. Der Mythos Atlantis wird vermutlich niemals verschwinden, doch von Teneriffa wird stets ein besonderer Reiz ausgehen. Diese schöne Insel versteht sich als „Mutterschiff der Kanaren“. Wohl auch deshalb, weil dieses „Schiff“ mit einem gigantischen Segelmast ausgestattet ist – dem Teide.

 

Einer der höchsten Berge unseres Planeten

Kein zweiter Berg des spanischen Territoriums ragt derart hoch in den Himmel wie der Teide auf Teneriffa. Und bis weit in den Frühling hinein präsentiert sich dieser vulkanische Gipfel mit einer weißen Krone. Dort oben lässt sich der Schnee nur durch sommerliche Temperaturen verscheuchen.

Der Weltreisende und Forscher Alexander von Humboldt war einst fasziniert von diesem Anblick. „Es ist so, als würde der Vulkan diese Insel schier erdrücken“, schrieb er im Jahr 1799 in eines seiner Tagebücher. Und tatsächlich ist der Teide ein Gigant, denn er erhebt sich vom Meeresgrund über siebentausend Meter und ist damit einer der höchsten Berge auf unserem Planeten.

 

Der Pico del Teide (Teide) ist mit 3718 m der höchste Gipfel der Insel Teneriffa

 

Teneriffas Wein an Europas Fürstenhöfen

Auf Teneriffa reift ein ausgezeichneter Wein. Dessen Reben lassen sich von der Sonne verwöhnen, genießen offenbar die leichte Brise vom Meer und fühlen sich auf dem vulkanischen Boden ausgesprochen wohl. Und wenn dann noch das Wissen eines guten Winzers die Regie führt, kann eigentlich nur ein exzellenter Tropfen heraus kommen. Die Weinstöcke sind bis zu eineinhalb Jahrhunderte alt, und die Insel wurde meist von der allseits gefürchteten Reblaus verschont.

Der Wein auf Teneriffa kann auf eine bewegte aber auch erfolgreiche Zeit zurück blicken, denn zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert war der berühmte „Canary Sack“ selbst an den Fürstenhöfen des europäischen Kontinents sehr gefragt. Es waren vor allem die Malvasia-Trauben, die man jenseits von Teneriffa schätzte, weil sie einen gehaltvollen Wein hervorbrachten.

 

Weinberge an der felsigen Küste von Teneriffa

 

Die Urgewalt der Kräfte durch Vulkane

Diese Insel ist so etwas wie ein Klassiker unter den Kanaren. Sie blüht zu allen Jahreszeiten in zarten bis leuchtenden Farben und empfiehlt sich als Urlaubsdomizil nicht nur bei den Sonnenanbetern, Wassersportlern und Wanderern sondern eigentlich bei allen, die sich auf erholsame Tage auf einer ebenso aufregenden wie anmutigen Insel freuen. Wie alle übrigen so erheben sich auch diese kanarischen Gestade über einer vulkanischen Magma-Kammer.

Auch das Massiv des gewaltigen Teide verdankt seine Entstehung der urgewaltigen Kräfte unter der Erdkruste. Vor fast vierhundert Jahren entstanden die Inseln vor der afrikanischen Haustür. Teneriffa war nicht die erste, denn vorher tauchten Fuerteventura, Lanzarote und Gran Canaria aus dem Meer auf. Es ist eine Welt der Feuerberge, die allerdings zum Glück für alle inaktiv sind.

 

„Paisaje Lunar“ – Türme aus Bimssteinschichten

Wer von der Küste oder aus dem Orotava-Tal hinauf fährt in den Nationalpark unterhalb des Teide, der landet nach Verlassen der Baumregion in eine vulkanische Wunderwelt mit riesigen Lavaströmen. Anders schaut die Landschaft am Südhang des großen Berges aus, denn dort treffen die Besucher auf bis zu zehn Meter hohe Kegel. Regen und Wind haben diese Türme aus Bimsstein-Schichten, die die Geologen „Paisaje Lunar“ nennen, geformt.

Hier hat die Natur Erhabenes und Vielfältiges produziert. Teneriffa, die Insel des „Ewigen Frühlings“, zählt zu den beliebtesten Urlaubs-Destinationen des Archipels. Guanchen waren die ersten Bewohner, die hier sesshaft wurden. Es wird noch immer darüber gerätselt, woher sie kamen. Überliefert ist hingegen, dass ein gewisser Tinerfe im 15. Jahrhundert als Häuptling auf Teneriffa herrschte und dass sich die letzten Ureinwohner im Jahr 1483 bei La Victoria den Spaniern ergaben.

 

Die Mondlandschaft von Paisaje Lunar auf Teneriffa

 

Der gescheiterte Angriff des Admiral Nelson

Zu einem historischen Ereignis kam es auf Teneriffa am 25. Juli 1797, als der englische Konteradmiral Horatio Nelson versuchte, die Insel einzunehmen. Neunhundert seiner Soldaten drangen in Santa Cruz de Tenerife ein, wurden jedoch auf den Straßen der Stadt von spanischen und französischen Truppen zurück geschlagen.

In den Geschichtsbüchern ist nachzulesen, dass Nelson am Arm verletzt wurde und in Verhandlungen erreichte, dass seine Soldaten mit ihren Waffen zurück auf ihre Schiffe konnten. Allerdings mussten sie das Versprechen abgeben, keine andere der kanarischen Inseln fortan anzugreifen. Hätte Nelson gesiegt, würde heute vielleicht die britische und nicht die spanische Flagge über Teneriffa wehen.

 

Seit dem Jahr 1909 schweigen die Feuerberge

Bevor die europäischen Touristen Teneriffa für sich als Trauminsel entdeckten, wurde die Insel als Stützpunkt für den Schiffsverkehr zwischen Europa und Amerika sehr wichtig. Doch dann eroberten die Urlauber die schönen Strände in Adeje, Arona, Los Cristianos und Playa de Las Americas. Inzwischen zählt Teneriffa Jahr für Jahr um die fünf Millionen Besucher. Zum bislang letzten Vulkanausbruch kam es auf der Insel im Jahr 1909. Seither schweigen die Feuerberge von Teneriffa.

Im ausklingenden 19. Jahrhundert kamen in erster Linie jene Europäer mit Schiffen zu den Kanarischen Inseln, die unter gesundheitlichen Problemen litten und sich von dem Heilklima dieser Region vor der afrikanischen Küste Linderung ihrer Leiden erhofften. Die meisten von ihnen klagten über Rheuma, Haut- und Atemwegserkrankungen.

 

Ein vierhundert Jahre alter Drachenbaum

Ein alter Baum erlangte auf Teneriffa eine große Berühmtheit. „Drago Milenario“ nennen die Einheimischen voller Respekt den betagtesten aller Drachenbäume auf den Kanarischen Inseln. Er befindet sich unterhalb der Pfarrkirche von Icod de los Vinos, und Botaniker schätzen sein Alter auf stattliche vierhundert Jahre. Die Menschen auf Teneriffa sprechen hingegen von einem tausendjährigen Exemplar.

Er wirkt zwar ein wenig gebrechlich und bedarf hier und da einer Stütze, doch er ist als Urahn der kanarischen Flora ein viel besuchtes Ziel. Und dies auf einer Insel, auf der die Evolution angeblich im Zeitraffer voranschreitet und von der schon Alexander von Humboldt schwärmte: „Die Natur ist hier so reich, so großartig und so wundervoll…“

 

Der Drachenbaum El Drago Milenario im Park Parque del Drago auf Teneriffa

 

La Laguna war bis 1822 die Hauptstadt

In der Universitätsstadt La Laguna wird die Geschichte dieser Insel lebendig. Der Ort wurde von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen – wegen der Vielzahl an historischen Gebäuden, lauschigen Plätzen und Museen. Bis zum Jahr 1822 war La Laguna nicht nur das spirituelle und wirtschaftliche Zentrum Teneriffas sondern auch die Hauptstadt.

La Laguna ist nicht nur für Historiker und Kulturinteressierte ein lohnenswertes Ziel bei einer Reise auf die Kanaren sondern eigentlich für jeden Besucher. Die Gebäude aus dem 18. Jahrhundert – unter anderem das Franco de Castilla – zeugen vom einstigen Reichtum dieser Gegend und beeindrucken mit ihren hölzernen und zumeist blumengeschmückten Balkonen.

 

Die Altstadt von La Laguna auf Teneriffa

 

Die Altstadt von La Orotava

La Orotava, oberhalb von Santa Cruz de Tenerife gelegen, ist seit jeher stolz auf seine barock-klassizistische Kirche Iglesia de la Concepción. Ihre Kuppel ist schon von weitem sichtbar und wurde der florentinischen Kathedrale nachempfunden. Im Altarraum befindet sich ein tempelartiger Tabernakel, der von einem italienischen Künstler geschaffen wurde.

Vierhundert Meter über dem Meer ist in Orotava auch an heißen Sommertagen das Leben erträglich. Bei einem Bummel durch die historische Altstadt, die komplett unter Denkmalschutz steht, säumen Paläste und Herrenhäuser den Weg. Ein historisches Juwel besonderer Güte ist der Innenhof der Casa de los Balcones, ein herausragendes Beispiel der kanarischen Kunst des Holzschnitzens.

 

Die Stadt La Orotava auf Teneriffa

 

Übernachtung in der Berghütte auf dem Teide

Das Orotava Tal dient unter anderem als Durchgangsstation auf dem Weg zum Teide. Der dortige Nationalpark ist zweifellos die größte Sehenswürdigkeit auf Teneriffa und bietet eine der spektakulärsten Vulkanlandschaften der Welt. Der Park befindet sich auf einer Höhe von rund zweitausend Metern und wird überragt von dem 1.700 Meter höheren Gipfel des höchsten spanischen Berges.

In genau acht Minuten fährt von der Basisstation eine Seilbahn zu einem Punkt knapp unterhalb des höchsten Punktes. Von dort führt ein schmaler Fußweg hinauf bis zum eigentlichen Krater. Die Aussicht von dort oben ist überwältigend, und wer den Sonnenaufgang erleben möchte, der sollte sich um einen Übernachtungsplatz in der Berghütte Refugio de Altavista bemühen. Allerdings empfiehlt sich eine Fahrt zum Teide nur für Menschen mit einem intakten Kreislauf, denn die Höhe macht nicht wenigen zu schaffen.

 

Für Botaniker das „Galapagos der Pflanzenwelt“

Teneriffa – das ist die Kulisse eines grandiosen Naturschauspiels und mit einer üppigen Natur so etwas wie ein eindrucksvoller Laufsteg der Schöpfung. Wer sich als Urlauber an einem Frühlingsmorgen aufrafft, um in den nebelverhangenen Wäldern der Insel zu wandern, der wird für seine Mühen reich belohnt. Da gibt es ausgedehnte Regionen mit Erdbeer- und Lorbeerbäumen sowie mit Girlanden von Lianen unter dem Dach der Kronen. Man wandert über Teppiche von Moos und ist überrascht über die Vielzahl der Flechten zu Füßen des Wildpret de la Torres.

Hier muss es gewesen sein, wo Alexander von Humboldt die Natur analysierte und damit den Grundstein legte für Darwins Theorien. Allein auf dem kanarischen Archipel findet sich eine solche Artenvielfalt. Botaniker sprechen sogar vom „Galapagos der Pflanzenwelt“.

 

Loro Park – mit vielen farbenfrohen Papageien fing alles an

Im Jahr 1972 kam ein Mann namens Wolfgang Kiessling, der Sohn einer Kölner Kaufmanns-Familie, auf Teneriffa auf die Idee, den Besuchern der Insel seine farbenfrohe Papageien-Zucht zu präsentieren. Das war der Startschuss zu einer Erfolgsstory, denn aus eher bescheidenen Anfängen entwickelte sich der weltbekannte Loro-Park. Mit einer Gesamtfläche von 125.000 Quadratmetern ist dieser Park heute ein gigantischer Zoo.

Er ist eingebettet in eine prachtvolle exotische Landschaft und beherbergt nicht nur die größte Papageien-Kollektion auf dem Globus sondern seit etlichen Jahren auch viele vom Aussterben bedrohte Tiere. In einem großen sogenannten „Pinguinarium“ leben bei angenehmen 22 Grad zahlreiche arktische Bewohner, und im „Delfinarium“ zeigen Seelöwen eine temperamentvolle Show. Haie sind durch einen 22 Meter langen Glastunnel zu beobachten.

 

Das Delfinarium im Loro-Park auf Teneriffa

 

Puerto de la Cruz – Badewelt zwischen Atlantik und Promenade

Wer sich in der lebhaften Hauptstadt Puerto de la Cruz eine Auszeit von den Touristenströmen gönnen möchte, dem sei der kurze Weg in den Botanischen Garten empfohlen. Er wurde schon vor zweihundert Jahren konzipiert und diente ursprünglich dem Zweck, Tropengewächse aus Mittel- und Südamerika zu „akklimatisieren“. Sie sollten danach auf dem spanischen Festland auch überwintern können. Ein Versuch, der misslang. Doch die exotische Vielfalt blieb im milden Klima auf Teneriffa erhalten und erfreut heute die Gäste aus aller Welt.

Wer noch nie einen Leberwurstbaum gesehen hat, der wird hier fündig. Puerto de la Cruz verfügt aber auch über eine gigantische Badewelt. Der Lago Martiánez zwischen Atlantik und der Promenade wurde von César Manrique, dem begnadeten Künstler aus Lanzarote, entworfen. Innerhalb des Schwimmbades öffnet am Abend ein Spielcasino seine Türen.

 

Der berühmte Strand Playa Jardin mit schwarzem Sand in Puerto de la Cruz